Bericht vom Nexus Online Con 1.22

Ich vermisse es ja wirklich nach Berlin zum Sonnencon zu fahren.

Ich vermisse nicht nur den Sonnencon, sondern auch einige Veranstaltungen in Hamburg und Norddeutschland (weil ich da nun mal wohne), aber an den Nexus-Cons hängt nun mal mein Herz. Immerhin krabbelte meine Tochter dort schon als Kleinkind durch die Burg.

Nun, es soll nicht sein, alles findet online statt, was sicher auch seine Vorteile hat. Ich brauche keine Fahrkarte nach Berlin und muss auch kein Hotelzimmer bezahlen.

Und es geht eben derzeit nicht anders.

Also habe ich mich am 12. Februar auf dem Discord-Server von Nexus e.V. eingeloggt um zumindest die Leute mal wieder zu hören und mit ihnen reden zu können. Rollenspiel geht ja glücklicherweise auch sehr gut online. Wir reden, wir würfeln und gerade Pläne kann man übers Netz ganz prima verbreiten.

Schon im Vorfeld habe ich mir zwei Runden ausgesucht, die wie für mich gemacht waren:

Zuersteinmal: Quick. Die Riesenratten aus dem Dungeon wehren sich.

Ich war ja schon immer der Meinung, dass Ratten im RPG nicht ausreichend gewürdigt werden. Ich mag Ratten, lebe mit Ratten zusammen und konnte nun im Namen der Ratten in einer klassischen Abenteurerkneipe aufräumen und aufzeigen, dass es nicht angesagt ist, Riesenratten zum Vergnügen zu töten.

Das Abenteuer war als regelfreies Erzählspiel aufgebaut, was ja schon eine gewisse Erfahrung auf Seiten der Spielleitung braucht und von den Spieler:innen die Bereitschaft Spielleitungsentscheidungen zu akzeptieren, auch wenn es gerade für den eigenen Charakter nicht so gut läuft.

In diesem Fall hat das wunderbar geklappt. Die Ratten konnten sich austoben und wir haben ein episches Abenteuer erzählt.

Am Nachmittag dann konnte ich endlich mal wieder Cyberpunk spielen. Vor Jahren hatte ich eine wunderbare Runde, aber leider hat der Spielleiter irgendwann aufgehört und seit dem scheint niemand mehr Cyberpunk zu leiten.

Nun, als ich denn sah, dass eine Runde mit meinem erklärten Lieblingssystem angeboten wurde (Es muss schon Cyberpunk sein, Shadowrun ist einfach kein Punk), habe ich natürlich sofort zugegriffen.

Auch hier war es deutlich anders, als die Cyberpunkrunden, die ich bis dahin kannte.

Niemand heuerte uns an, wir waren da eher das Ziel, und es ging darum uns zu verteidigen. Genauer gesagt unser Haus davor zu verteidigen, dass es sich ein Konzern unter den Nagel riss.

Wie üblich gab es da ein paar Kniffe und Tricks des Konzerns, aber gegen ausreichend Barrikaden und die Feuerkraft eines Solos kamen sie dann doch nicht an.

Fast schon untypisch für Cyberpunk waren wir am Ende Sieger:innen auf ganzer Linie.

Am Sonntag hatte ich dann meine eigene RPG-Runde zuhause in meinem Wohnzimmer, weshalb der Con für mich nur einen Tag dauerte.

Einen sehr schönen und lohnenden Rollenspiel-Tag. Ich bin beim nächsten Con sicher wieder dabei, ob in Präsenz oder online.

Fantastisch Essen beim RPG

Ja, klassisch gehören zu einer Pen and Paper Runde im wesentlichen Chips, Cola und größere Mengen an Zuckerhaltigem Naschkram. Dazu wenig Sonnenlicht und eine beruhigende Unterversorgung an Sauerstoff machen das Wochenende mit Würfeln und Charakterblättern perfekt.

Und doch kann auch das Essen zur richtigen Stimmung beitragen.

Irgendwann habe ich damit angefangen zu meinen Abenteuern die Kulturen genauer auszuarbeiten, wozu dann auch das Essen der jeweiligen Völker und Ethnien gehörte. Auch anderes, wie beliebte Spiele, Moden oder auch Kunstrichtungen, gehört dazu einer Kultur Leben und Tiefe zu verleihen. Die Entwicklung von Speis und Trank des Teils der Welt, in dem sich die Charaktere der Runde gerade aufhalten bietet aber die besondere Möglichkeit, diese Speisen auch auf den Tisch zu bringen.

Also habe ich mich auf die Suche gemacht: Was passt zu einer bestimmten Kultur?

Was wächst wo? Welche Zutaten kann man in warmen Gegenden ernten, welche an kühlen Orten? Was braucht viel Wasser, was kann in einem Sumpf überleben und was wächst selbst in trockenen Wüsten?

Das war der erste Schritt, um festzustellen, was welches Volk überhaupt zur Verfügung hat, um sich zu ernähren.

Dann kommen kulturelle Vorgaben: Hält diese Volk Tiere? Auch milchgebenden Tiere? Oder kennen sie, wie viele Kulturen, gar keine Milch?

Essen sie Tiere? Gibt es in der Kultur oder in der Religion da Tabus?

Eine ganze Reihe der von mir entworfenen Kulturen kennt keine Milchprodukte. Also auch keine Sahne, keinen Käse, keinen Schmand, nichts wofür man Kühe oder Ziegen brauchen würde.

Und dann habe ich mir die irdischen Kulturen angesehen, um mich inspirieren zu lassen. Viele meiner Kulturen sind menschlichen, existierenden Kulturen nachempfunden, und so ist es schon mal spannend zu sehen, was in den verschiedenen Teilen der Welt so gegessen wird.

So habe ich Linsen und Bohnen mit Fleisch auf Fladen serviert und dazu verschiedenen Sorten Yoghurt, wie ich es in Teilen von Afrika gesehen habe, als meine Runde in den Stadtstaaten von He unterwegs war.

In warmen, Regenreichen Gegenden gibt es Reis, in kühlen Bereichen Kartoffeln.

Die Nixen essen vor allem Fisch und Meeresfrüchte und dazu Pasta.

Gerade für nicht-menschliche Kulturen bin ich kreativ geworden, und habe mich alleine daran gehalten, was sie wohl in ihrer Umgebung vorfinden.

So halten die Wüstenzwerginnen mitten in der Wüste Riesenechsen. Die Tiere dienen ihnen sowohl als Reittiere, als auch als Nutzvieh, dessen Fleisch sie essen. Dazu gibt es, was in der Wüste wächst: Datteln, Feigen und Melonen.

Nun kann ich aber Riesenechsenfleisch schlecht servieren, angesichts dessen, dass diese Tiere real nicht existieren. Also musste Ersatz her.

Ich stelle mir Echsenfleisch etwas herber vor, eher dem Rind ähnlich, als dem Huhn und somit gibt es zum Dattel-Feigen-Kürbis-Auflauf kurz gebratenes Rind.

Besonders exostisch, und in meinen Augen tatsächlich ungeniesbar, wurde der ruhende Fisch der Eistrolle. Im ewigen Eis des hohen Nordens besteht ihr Essen aus Fisch, Fleisch und Algen, alles stark gesalzen. Was für Trolle eine Delikatesse ist, ist für Menschen ungeniesbar – abgesehen von meinem Sohn, der selbst das mit Begeisterung und Genuss zu sich nahm.

Für alle anderen habe ich die Algen gegen Sauerkraut und Sojakeimlinge getauscht und an Salz eher gespart.

Wozu das Ganze?

Neben einer interessanten Sammlung an Rezepten, konnte ich so meiner Runde stets ein zum Abenteuer passendes Essen servieren, was der Atmosphäre durchaus zuträglich ist. Schwierig wird es nur bei den komplizierten Essen, da dann teils lange Kochpausen entstehen. Hier braucht es dann Kompromisse, die das Essen soweit reduzieren, dass sich kochen und Spielleiten auf akzeptable Weise verbinden lassen.

Musik zum RPG: „Into the ….“ von Erdenstern

Zu einer gelungenen Pen and Paper-Runde braucht es im wesentlichen zweierlei: Fantasie und eine funktionale Gruppe von Menschen, die sich auf das Abenteuer einlassen – gut, es gingen auch Elben, Zwerge und Klingonen, so rein theoretisch, aber da mir diese bisher noch nicht im realen Leben begegnet sind, schreibe ich einfach mal von Menschen.

Also, eine funktionierende Gruppe von Menschen mit Fantasie reicht aus für einen gelungenen Pen and Paper-Abend. Da braucht es nicht mal unbedingt Würfel oder Charakterbögen, keine Frage.

Doch schadet eine stimmige Atmosphäre sicher nicht und hier bringe ich mal Musik ins Spiel:

Es begann vor über 10 Jahren auf dem Nordcon. Ich war auf der Suche nach einem Geschenk für meinen Mann, und traf auf einen Stand mit einer eher kleinen Auswahl an CDs.

„Musik für das Abenteuer“ im Kopf war der Slogan, und ich kaufte für meinen Mann, der auch immer wieder mal mein Spielleiter war – und ist – die CD „Into the Blue“.

Die Musik beginnt beschwingt, mit einem frischen Wind, der das Schiff aus dem Hafen gleiten lässt, in die Weiten des Meeres, dorthin wo unbekannte Gefahren lauern und tiefe Geheimnisse gelüftet sein wollen. Die Musik baut Spannung und Erwartung auf und wurde fortan von uns zur Begleitung – nicht nur – von See-Abenteuern eingesetzt.

Was meinem Mann gehört, gehört ja bekanntlich auch mir. Ich bin zwar selbst nicht musikalisch, aber ich lasse mich auch gerne von Musik in ferne Welten tragen. Somit nutzte ich die CD nicht weniger als der Beschenkte für meine eigenen Pen and Paper-Runden.

Ein Jahr später stand ich wieder bei dem Stand von Erdenstern und holte mir „Into the Green“, die Musik für die Abenteuer an Land.

Von da an gehörte die Into-Reihe zum festen Bestandteil des Geburtstagstischs: Into the Red, Into the Gold, Into the Dark – ganz besonders Into the Dark, bei unserer Begeisterung für Vampire und andere eher düstere Rollenspiele. Die Reihe „Into the…“ haben wir vollständig, und ich möchte sie nicht mehr missen.

Musik im Hintergrund ist einer dieser kleinen Mosaiksteine im Gefüge eines Rollenspielabends, der dem Ganzen etwas mehr Atmosphäre verleiht. Nicht umsonst wird im Film Musik eingesetzt.

Wenn dann eine CD auf bestimmte Situationen und Umgebungen zugeschnitten ist, erleichtert dies auch ungemein meine Arbeit als Spielleiterin: Ich muss nicht aus verschiedenen Musikalben und Soundtracks die passenden heraus suchen. Ich habe eine CD die schon mal die passende Musik für verschiedene Szenen hat. Praktischer Weise sind die Musikstücke auch nach dem benannt, was sie optimalerweise begleiten.

Der CD beigefügt sind genauere Beschreibungen der jeweiligen Stücke. So kann man sehr gezielt die gewünschte Musik heraussuchen. Ein klares Plus für Musik, die als Begleitung von RPG-Runden gedacht ist.

Into the …..
von Erdenstern

Discord

Die Kontakte sind wieder deutlich eingeschränkt und Rollenspielrunden damit unmöglich. Wir dürfen uns nicht persönlich treffen, was bleibt sind Runden online. Schon gut bekannt durch die Arbeit, kann man sich über Videochat treffen und spielen.

Meine ersten Erfahrungen mit Online-Rollenspiel hatte ich beim Sonnencon im Sommer mit Discord.

Ich habe mir Discord heruntergeladen, hatte gleich einen Account und habe ihn mir gesichert, mit Passwort und Kontakten.

Es war wirklich sehr einfach: Ich bekam die Einladung durch den Con und war dabei. Es gab verschiedene virtuelle Räume in die man wechseln konnte. Damals war ich mit spielen beschäftigt und das war schnell und unkompliziert möglich.

Für die technischen Bereiche des Rollenspiels – Würfeln und Karten oder auch Zeichnungen – haben wir dann zu Roll20 gewechselt, was sehr einfach ging. Das war wirklich sehr praktisch. Wir konnten parallel beides nutzen. Es war nicht komplizierter als am Tisch die Karte auszubreiten und die Würfel zu werfen.

Nun, ein paar Monate später, leidet meine wöchentliche RPG-Runde unter den Kontaktbeschränkungen und wir versuchen es mit Discord.

Ja, ich hatte da mal einen Account, ich weiß den Namen noch, aber die Nummer?

Ein Account bei Discord besteht aus einem Namen und einer Nummer. Um meinen alten Account zu finden, brauche ich die Nummer.

Zum Glück steht sie in einer E-Mail, die ich mit etwas Suchen aus meinem E-Mail-Account fische. Das nächste Problem lässt nicht lange auf sich warten: Wie war das Passwort?

Doch das löst sich ganz einfach. Ich kann mir ein neues Passwort zulegen. Super, ich bin drin in meinem alten Account, und warte nur noch auf die Einladung durch den Spielleiter.

Ja, Discord ist praktisch und wird unsere RPG-Runde durch die Corona-Krise retten.

Als nächstes werde ich meine Runden, die ich leite wohl auf Discord umstellen und dann mal sehen, wie sich das Ganze als Spielleiterin macht.

Fate

Fate ist ein sehr freies und offenes Rollenspiel-System, dass den Spielern und Spielerinnen sehr viele Möglichkeiten läßt das Spiel mitzugestalten.

Ich finde es zum einen interessant, weil man wirklich frei jeden Weltentwurf damit spielen kann und die Charaktergestaltung so wie das Spiel mit Fate sehr direkt die Kreativität der Mitspielenden anspricht. Zum anderen gibt es auf den Seiten von Fate auch die Möglichkeit eigene Weltentwürfe miteinzubringen, womit Fate auch für meinen Blog ein spannendes Projekt ist.

Die Charaktergestaltung von Fate verbindet feste Werte zum Würfeln mit Aspekten, die man sehr frei gestalten und wählen kann, was das Spiel sehr abwechslungsreich macht und Diskussionen anregt. Charaktere werden so schon bei der Erschaffung sehr individuell.

Ein Aspekt ist ein Satz oder auch ein paar Worte, die den Charakter definieren. Z.B. kann „Treu und Ehrlich“ ein Aspekt sein, aber auch „Stammt aus den Slums der Hauptstadt“. Die Aspekte sind nicht vorgegeben, sie entstehen bei der Erschaffung des Charakters und werden notiert um den Charakter zu beschreiben. So kann ein Aspekt einen Vorteil, aber auch einen Nachteil im Spiel bedeuten.

Wer immer treu und ehrlich ist, ist vermutlich auch glaubwürdig, kann aber auch nicht lügen und das Ghetto-Kind wird wissen, wie man sich auf der Straße durchschlägt und auch mal stehlen und vor allem schleichen können, aber auf klassische Bildung kann so ein Charakter vermutlich nicht zurückgreifen.

Mit Hilfe von Aspekten kann man sich im Spiel Vorteile verschaffen und damit eventuell auch eine Handlung gelingen lassen. Reines Würfeln reicht einfach nicht aus, man muss sich schon Gedanken machen, wie man das eigene Vorhaben erleichtert und sich eventuell einen Vorteil verschafft mit dem doch noch das Vorhaben gelingt.

So kommt es bei Fate zu angeregten und das Spiel voranbringenden Dikussionen. Es ist eben im eigentlichen Sinn des Wortes ein Erzählspiel.

Teil der Spielphilosophie von Fate ist es, dass Spieler und Spielerinnen das Spiel mitgestalten. Hierfür hält das Spiel Methoden, wie die Fatepunkte, bereit, die ein Eingreifen ermöglichen. Das macht das Spiel spannend und abwechslungsreich. Es ist nicht nur Sache der Spielleitung die Szenen auszubauen.

Das Grundegelwerk gibt es zum einen in einer sehr ausgiebigen Version mit genauen Beschreibungen und Angaben und zum anderen, für die die es bevorzugen etwas schneller durch die Regeln zu kommen und eventuell auch etwas weniger Geld ausgeben wollen, als kurzes, schnelles Regelwerk in „Turbo Fate“.

Aber auch schon auf der Website von Fate RPG wird einiges erklärt und beschrieben. Es lohnt sich durchaus auf ihren Seiten zu stöbern.