Buchrezension: Der Fluchsammler von Ann-Kathrin Karschnick

Als mir das Buch „Der Fluchsammler“ in die Finger kam, war ich noch nicht auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für meinen Mann. Es war der 23. März und ich war zusammen mit meiner Tochter auf der Leipziger Buchmesse. Der Geburtstag meines Mannes ist erst im Juni, das war noch etwas hin.

Aber irgendwie sprach es mich an und ich dachte mir, dass es etwas für ihn sein könnte. Also kaufte ich das Buch, versteckte es bis Juni und las es dann im Herbst.

Die Idee des Buches war zumindet mir neu. Vincent, ein junger Mann – zumindest augenscheinlich jung, der Gute ist über 100 Jahre alt – befreit Menschen von Flüchen, so sie denn verflucht wurden. Das macht er nun schon seit 100 Jahren und bald läuft sein Vertrag aus. Es geht um seinen letzten Fluch, dem er auf den Grund gehen soll.

Elisabeth ist Streetworkerin von Beruf und bei ihr ist Beruf wirklich Berufung. Nur kann sie seit einem Jahr nicht mehr arbeiten. Sie ist verflucht. Jeder Mensch in ihrer Nähe befindet sich in Lebensgefahr. Darum bleibt sie zuhause und leidet entsetzlich.

Vincent könnte ihre Rettung sein, nur weiß sie nicht, ob sie ihm vertrauen kann.

Die Geschichte ist spannend zu lesen, auch wenn vieles recht klar und augenscheinlich wirkt. Wir wissen genau, wer den Fluch ausgesprochen hat. Es ist auch recht schnell klar, dass dies zumindest auch eine Liebesgeschichte ist und wie diese ausgehen wird.

Aber der Fluch ist komplexer als gedacht, und wer nun noch involviert ist und warum eigentlich jemand diesem unsympathischen Psychopathen im Gefängnis hilft, bzw. ob er ihm überhaupt hilft oder nicht seine eigenen Interessen verfolgt, das bleibt bis zu den letzten Seiten rätselhaft.

Besonders hat mir allerdings ein Schlenker ganz am Ende gefallen, den ich hier natürlich nicht verraten werde, da er mitten im Showdown nicht alles, aber doch einiges, auf den Kopf stellt.

Also, wer etwas Mystery mit frischen neuen Ideen und zwei interessanten Protagonist:innen mit ihren Eigenheiten mag und dabei gerne etwas rätselt, wird mit diesem Buch viel Vergnügen haben.

Der Fluchsammler
Ann-Kathrin Karschnick
Papierverzierer

Buchrezension: Railin – die letzte Göttin von Claudine Hallier

Railin steht für „Raimond und Elin“ und ist im Wesentlichen eine Liebesgeschichte.

Raimond, der Vampir, findet eines Nachts im Wald eine halbnackte, bewusstlose, junge Frau. Was liegt näher, als sie mitzunehmen und sich um sie zu kümmern?

Nun ist er nicht irgendein Vampir und das Mädchen, dessen Name Elin ist, birgt ein recht großes und weltbewegendes Geheimnis. Sie ist eine Göttin, die letzte Göttin, was sie nur leider vergessen hat, genauso wie die überaus wichtige Aufgabe die Welt vor ewiger Dunkelheit zu bewahren, mit der sie auf die Erde geschickt wurde.

Entsprechend planlos ist die junge Frau erst einmal, als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht und so gar nicht weiß, wer sie ist und was das hier alles soll. Aber immerhin ist da Raimond, der zwar ein Vampir ist, aber wirklich nett und sich zudem noch in sie verliebt.

Für mich persönlich sind Liebesgeschichten ja eher etwas, was ich so mitnehme, nichts gegen ein wenig erotische Spannung und Anziehungskraft in Romanen, welche in diesem sicher nicht zu kurz kommen, aber ich mag es doch gerne, wenn da noch etwas Mystik ist, etwas Abenteuer und ein paar Geheimnisse die es aufzuklären gilt.

Wie: Was hat Elin für eine Aufgabe?
Wie soll sie bitte die Welt retten?
Und was hat es mit diesen gottverdammten Schatten auf sich?

Ja, auch davon gibt es genug in „Railin, die letze Göttin“. Somit handelt es sich bei diesem Buch um eine gelungene Mischung aus Mystery und Liebesgeschichte.

Vorzugsweise habe ich Railin in der Badewanne gelesen, was man dem Buch wohl auch ansieht. Weintrinkerinnen würde ich ein Glas Rotwein dazu empfehlen, und natürlich den Schein von ein oder zwei Kerzen an der Badewanne.

„Die letzte Göttin“ ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, mit einem Ende, das so für sich stehen kann. Trotzdem gibt es (zum Glück) eine Fortsetzung, und seit kurzem ist dann auch der zweite Band: „Railin, die verlorene Göttin“ auf dem Markt. Ich habe es noch nicht gelesen, werde es mir aber sicher bald besorgen und lesen.

Railin – die letzte Göttin
Claudine Hallier
www.twentysix.de/shop/

Buchrezension: Falkenflug von Markus Gerwinski

Der Roman besteht aus drei Bänden:
Die Hörige, Die drei Amulette, Die Herrin der Schatten.

Die Geschichte spielt in einer mittelalterlichen Welt, die sehr nahe am historischen England ist. Es gibt den Adel mit seinem gegenseitigen Verpflichtungen und Ehen aus politischem Kalkül und es gibt Hörige, die auf dem Land des Adels ihrer Arbeit nachgehen und für das leibliche Wohl aller sorgen.

Das wird in dem Buch sehr schön beschrieben, auch wie nah sich diese Welten rein räumlich sind, so dass sich zwei Kinder aus den verschiedenen Ständen begegnen und anfreunden können.

Dabei hat der Roman Falkenflug verschiedene Ebenen.

  • Falkenflug ist eine Liebesgeschichte: Die Hörige Gunid verliebt sich in den Adligen Ragald und verzweifelt daran, dass er eine Ehe mit einer Adligen eingeht. Die Liebe Gunids zu Ragald trägt sehr viel der Handlung und liefert ihre Motivation ihm zu folgen und ihn zu suchen. Es bleibt aber der Rahmen der Geschichtem die packend genug bleibt, dass man mit Gunid und ihren Fragen und Zweifeln mitfiebert.
    Es bleibt allerdings keine reine Liebesgeschichte.
  • Falkenflug ist auch ein Reiseroman: Als Ragald im Kampf vermisst wird bricht Gunid auf, um ihn zu retten. Doch das gesamte Königreich ist in Gefahr und die Reise geht deutlich weiter, als am Anfang gedacht. Sie führt die Protagonistin sogar in das Land des Feindes. Und hier fand ich die Darstellung des anderen Landes sehr interessant. Es gelingt Markus Gerwinski auch die Kultur des Feindes glaubwürdig darzustellen ohne in dumpfe Klischees abzurutschen. Wobei es auch hier wohl historische Vorbilder gibt.
  • Falkenflug ist ein Abenteuerroman: Gunid und Ragald erleben einiges an Abenteuern und es ist immer wieder spannend, wie sie aus den gefährlichen, teils absurden Situationen wieder rauskommen. Dabei gefällt mir sehr gut, dass sie wirklich ihre jeweiligen Möglichkeiten nutzen, und die kleine Hörige nicht plötzlich zur Superkämpferin mutiert. Sie hat ihre eigenen Fähigkeiten, die sie auch nutzt und mit denen sie auch mal den starken Ritter rettet – der neben seinen Stärken auch sehr menschliche Schwächen hat.
  • Falkenflug ist ein Roman über die Schatten: Anfangs wirkt es wie das Übliche. Das Böse (also die Schatten und die Horden der Jattar) bedroht das Königreich und die Menschen. Doch die Schatten werden im Laufe der Geschichte greifbarer und sehr nah und menschlich. So nahe, dass der Titel des letzten Buchs eine erschreckende Bedeutung bekommt.
    Markus Gerwinsky zeichnet glaubwürdig nach, wie die Schatten entstehen, woher sie kommen und, dass sie den ganz normalen Menschen gar nicht so fern sind.

Der letzte Punkt hat mich persönlich besonders angesprochen.

Falkenflug
Markus Gerwinski
www.bod.de


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