Denems Weg

2. Ostwärts

Es war früher Morgen und die Sonne stand noch weit im Südosten, als Nia ihren Heimatort verließ. Sie ritt über eine weite Ebene, von Feldern und kleinen Wäldern durchzogen, die nach Norden leicht anstieg. Kleine braune oder graue Tiere huschten im Gras umher. Ein paar Insekten surrten zwischen den Blumen, die vereinzelt im hohen Gras standen. Dornige Büsche, mit nur wenigen bunten Blüten, standen ebenso vereinzelt auf der Ebene verteilt. Ein paar Häuser, hinter denen weite Felder begannen, waren über das Land verstreut. Es waren lang gestreckte, flache Holzhäuser, mit Lehm und Kalk verputzt, wie das in dem sie aufgewachsen war. In ihnen lebten Nachbarinnen, Freundinnen und Bettgenossen, die gerade dabei waren aufzustehen und ihre tägliche Arbeit aufzunehmen. Nia schenkte dem morgendlichen Treiben keine Beachtung. Sie galoppierte über die sanften Hügel, nur auf den Weg achtend, der vor ihr lag, irgendwo dort im Osten, auf dem Weg zur Steppe, war ihr Bruder Denem, und sie würde ihn zurückholen.

Ihr Ritt brachte sie im Laufe des Tages fort von der ihr bekannten Gegend, zu fremden Feldern und Häusern. Ein paar mal hielt sie an und untersuchte den Boden nach Pferdespuren oder fragte Frauen, die ihren Weg kreuzten, ob sie die zwei Kriegerinnen gesehen hätten, die in Begleitung eines Jungen unterwegs waren.

Die Antwort war jedes Mal die Gleiche: „Nein, ich habe keine Reiterinnen gesehen, aber ich wünsche dir viel Glück für deine Suche.“

Also ritt sie ohne eine Spur zu haben weiter Richtung Steppe. Am frühen Abend legte sie eine erste Rast ein. Unter einem Baum der Schatten spendete band sie ihr Pferd an und lehnte sich an das weiche Holz, den Proviantbeutel auf den Knien. Sie öffnete ihn und inspizierte, was ihr eingepackt worden war. Geräuchertes Fleisch und getrocknete Früchte waren das erste, was sie fand, und was sie gleich wieder zu Seite legte. Dann stieß sie auf einen Leib Brot und frisches Gemüse, welches nicht länger als drei oder vier Tage halten würde. Trotzdem war sie froh unterwegs auch etwas Frisches zum Essen zu haben. In einem Säckchen fand sie Nüsse und in einem zweiten getrocknete Pilze. Sie suchte sich eine Tomate heraus und biss hinein. Dann begann sie die Umgebung nach Holz abzusuchen und ein Feuer zu entfachen. Seit dem Frühstück hatte sie nicht gegessen. Sie legte Fleisch und Gemüse einfach auf die Steine zwischen die Flammen, und holte es nach einiger Zeit mit einem langen Stock und ihrem Messer aus dem Feuer heraus. Hungrig biss sie in ihr Stück Fleisch. Bis jetzt war ihre Suche nicht gerade erfolgreich verlaufen, aber sie war zuversichtlich, zwei Amazonen und ein Bauernjunge waren auffällig, irgendeine hatte die drei sicher gesehen und würde sich auch an sie erinnern.

Nachdem Essen ritt sie sofort weiter nach Osten. Es war später Abend als sie abstieg, um an eine Haustür ihres Clans zu klopfen. Sie grüßte und bat um Unterkunft und Essen für eine Nacht. Den Bewohnerinnen dieses Hauses erzählte sie von ihrer Suche, doch auch sie hatten keine zwei Amazonen, die einen jungen Mann mit sich führten gesehen. Schweigsam verzehrte sie, was man ihr vorsetzte. Wie sollte sie ihren Bruder je wieder finden, wenn niemand ihn gesehen hatte und sie keinerlei Spur hatte, wo er hin sein könnte, außer der ungefähren Äußerung der Amazone? Was, wenn sie es sich anders überlegt hatten und statt in die Steppe ans Meer geritten waren?

Ohne darauf zu achten was geschah, ließ sie sich in den Ruheraum führen, einen geschmackvoll, aber einfach eingerichteten Raum, mit weichen Kissen, auf denen sie sich niederließ, während Männerhände sanft ihre Nackenmuskeln lockerten. Andere Hände reichten ihr etwas Warmes zu trinken. Sie nippte an dem Becher ohne dem jungen Mann besondere Beachtung zu schenken. Auch den anderen beachtete sie nicht weiter. Sie war alleine mit den beiden, was ihr nur recht war. Sie wollte nachdenken. Zur Zeit sah sie keine andere Möglichkeit, als weiter in die eingeschlagene Richtung zu reiten, die Leute denen sie begegnete zu fragen und hin und wieder nach Spuren am Boden zu suchen, die die drei hinterlassen haben könnten.

Die Hände an ihrem Nacken begannen sich nach vorne zu tasten, sie lies es gerne geschehen, es waren sehr zarte und geschickte Hände die in sanft kreisenden Bewegungen ihre Schultern lockerten. Dann spürte sie seine Lippen an ihrem Hals, seine Zunge begann ihren Nacken zu liebkosen. Ohne besonders darauf zu achten, was sie tat, zog sie seine Hände weiter nach vorne, und legte sich zurück. Während sanfte Hände ihre Brüste liebkosten zog sie den Anderen zu ihren Beinen.

Die beiden Männer waren jung, mit weicher Haut und sanften Händen. Das Wasser war warm und ihr Spiel ausdauernd. Sie wusste nicht wie lange es dauerte, doch am Händen lagen sie alle erschöpft im warmen Wasser.

Am nächsten Morgen ritt sie früh weiter, zu früh um die Mannesfeier des jungen Mannes mitzubekommen. Sie bemerkte kaum die Vorbereitungen, so war sie in Gedanken verloren, als sie ihr Pferd wieder ostwärts lenkte. Um sie herum lösten sich grüne, sonnenbeschienene Wiesen mit hellgelben Feldern und schattigen Wäldchen ab. Bis zum Horizont sah sie eine weite, leicht hügelige Fläche, durchzogen von braunen Wegen und grünlich blauen Bächen, die sich sanft durch die Landschaft schlängelten. Menschen, Frauen in langen bunten Röcken, Tücher gegen die Sonne um die Schultern geschlungen und Männer in braunen und roten Tuniken, die ihnen gerade die Schenkel verdeckten, liefen durch die Felder und über die Wege. Den Kopf schützten sie mit hellen Tüchern und breitkrempigen Hüten. Frauen wie Männer strebten zur Arbeit und alle hatten die gleiche Antwort auf die ihnen gestellte Frage: Nein, sie hätten keine Amazonen gesehen, schon gar nicht in Begleitung eines Jungen. Bis zum Mittag ritt sie weiter nach Osten, dann hielt sie am Rande eines Waldes und packte ihren Proviant aus. Hungrig verzerrte sie etwas Fleisch und ein paar Tomaten und Beeren, ehe sie sich wieder auf den Weg machte. Wieder fragte sie alle Leute, wieder bekam sie die gleichen Antworten. Langsam begann sie sich zu fragen, ob die Suche einen Sinn hatte. Aber sie wollte wenigstens bis an den Rand der Steppe reiten.

Am Abend hielt sie wieder an einem Haus ihres Clans und bat um Einlass. Die Frauen hießen sie freundlich willkommen und ließen ihr sofort Essen und Wein auftragen. Zwei Jungen, beide noch Kinder, bedienten sie, während sie aß, sie dabei mit großen Augen verstohlen anschauend. Ihre Mutter saß Nia gegenüber und wartete, bis ihr Gast zu sprechen begann.

„Habt ihr zwei Amazonen gesehen, heute oder gestern? In Begleitung eines Jungen.“ Fragte Nia dann auch als erstes.

Die andere schüttelte den Kopf, nein, Amazonen habe sie keine gesehen, schon lange nicht mehr. Die einzigen Fremden die heute vorbeigekommen waren, waren zwei Frauen, Händlerinnen wohl, die am Mittag am Haus vorbei geritten waren, und eine junge Frau, die am Nachmittag nach dem Weg nach Seldin, einer nahen Stadt, gefragt hat, warum Nia das wissen wolle.

„Der Junge ist mein Bruder. Ich suche ihn, um ihn nach Hause zu bringen.“

Die Frau nickte. „Dann wünsch ich dir viel Erfolg bei deiner Suche.“

Am nächsten Tag ritt Nia weiter durch die leicht hügeligen Wiesen und Felder des Landes, welches nach Osten hin kaum merklich anstieg. Während die Sonne über den Himmel wanderte, langsam auf den höchsten Punkt zu und immer heißer wurde, änderte sich das Aussehen der Felder, von hellgelb zu grünen Büschen und dunkelgelben Stauden, die schulterhoch standen. Die Menschen trugen helle Kleidung und die Männer wadenlange Tuniken, die sie auffällig mit Bändern und Broschen schmückten. Viele der Leute trugen breitkrempige Hüte aus Stroh, die sie unter dem Kinn festbanden. Wenn Nia sie fragte, ob sie die Gesuchten gesehen hätten, antworteten sie freundlich, nein das hätten sie nicht. Später gelangte sie an einen großen Fluss, auf dem Boote und Flöße, die meisten hoch beladen, aber einige auch nur mit Passagieren besetzt, in beide Richtung fuhren. Einige der Leute winkten ihr zu und Nia winkte zurück, andere beachteten nicht weiter die Frau auf dem Pferd. Sie ritt gerade zwei Stunden den Weg am Flussufer entlang, als sie die Stadt Seldin erreichte, die sich das Flussufer entlang zog. Auf dem Uferweg ritt Nia in die Stadt, auf der Suche nach dem Gemeinschaftshaus ihres Clans. Jede Stadt hatte acht solcher Häuser, eines für jeden Clan, in dem Frauen, die auf Reisen waren, Unterkunft und Unterstützung finden konnten. Von der Uferstraße, an der große Lagerhäuser und kleine Handelshäuser lagen, gingen kleinere Straßen ab, an denen die üblichen langgestreckten und weißgetünchten Häuser lagen, die die Menschen im ganzen Land bewohnten. Am Kai lagen Boote festgemacht und Männer waren damit beschäftigt Fässer und Ballen von den Booten an Land oder vom Land auf die Boote zu schleppen. Ihre dünnen Hemden klebten an ihren Körpern, dass sich die Umrisse ihrer Muskeln deutlich abbildeten. Nia gönnte sich nur einen kurzen Blick, ehe sie zu einer Frau ging, die im Schatten stand, und den Männern beim arbeiten zusah. Auf ihrer nackten Brust war Zonetas Zeichen eingebrannt. Sie hatte die Arme verschränkt und sah mit strengem Blick auf die Männer.

„Guten Abend Zonere.“ Grüßt Nia die Fremde, die nun zu ihr hoch sah.

„Guten Abend, Naje, antwortete sie nach einem Blick auf das Symbol auf Nias Satteltaschen.

„Wo finde ich hier ein Schwesternhaus?“

Die andere deutete in die Richtung, aus der Nia kam, „die zweite Straße, bis du zu einem Platz kommst, auf dem ein großer Baum steht, dann nach Osten abbiegen und nach 100 Schritten siehst du`s.“

Nia nickte, wendete ihr Pferd und ritt in die angegebene Richtung.

Nachdem sie den angegebenen Weg zurückgelegt hatte, stand sie vor einem Haus, das sich über die anderen erhob. Es war das erste zweistöckige Haus, das Nia sah. Es kam ihr riesig vor, fast zu hoch um zu stehen. Über der Eingangstür war Najas Zeichen in blauer Farbe gepinselt. Vor der Tür, auf dem freien Platz, lümmelten drei Jungen, nicht älter als 10 Jahre, über eine Kreidezeichnug gebeugt, die sie auf den Boden malten. Unter einem Baum saß eine junge Frau mit einem etwa gleichaltrigem Jungen, sich leise mit ihm unterhaltend. Nia ging zur Türöffnung, die von einem hellblauem Vorhang verhängt war und trat ein. Es war schattig in dem Haus. Sie trat in eine große Halle, von der zu beiden Seiten Treppen nach oben führten. In der Mitte glomm in einem Eisengestell etwas Glut, um diese Glut herum waren, in ein paar Metern Abstand, Tische aus hellem Holz aufgestellt. Auf den Bänken, die an der Wand aufgestellt waren, saß nur eine Frau, etwa 40 Jahre alt, etwas größer als Nia, mit großflächigen, freundlichen Gesichtszügen, in einem grünen Rock, die ihre ebenfalls grüne Weste vorne verschlossen hatte, auf einer gelben Decke. Sie sah hoch als Nia den Raum betrat und nach dem sie sich umgesehen hatte, auf die Frau zuging.

„Guten Abend Schwester“ grüßte die Andere und Nia erwiderte den Gruß. „Du kannst oben schlafen, such dir ein freies Bett aus. Hast du Hunger?“

Nia nickte.

„Darum werde ich mich kümmern“, sie blickte zu der Satteltasche, die Nia sich über die Schulter geworfen hatte, „und um dein Pferd.“

Ehe sie das Gebäude verlassen konnte, fragte Nia nach ihrem Bruder: „Schwester, haben hier zwei Amazonen gerastet, in Begleitung eines jungen Mannes, oder hast du sie gesehen? Der Junge ist mein Bruder.“

„Nein, aber ich werde mich umhören, ob eine andere etwas von ihnen gesehen und gehört hat.“

Sie verließ das Gebäude und Nia stieg, etwas misstrauisch, die Treppe hoch, die zu den Schlafräumen führte. Nicht das sie keine Treppen kannte, jedes Haus hatte unter dem Dach ein weiteres, niedriges Stockwerk, das der Unterbringung von Vorräten und allem möglich Kram diente. Direkt über dem Ruheraum war dieser Zwischenraum mit Kissen, Fellen und Decken gefüllt, um abgeschiedene Plätze zu schaffen, für Paare die alleine sein wollten. Aber das waren keine richtigen Räume sondern kleine Höhlen, mit schrägen Wänden und wenig Platz.

Nun betrat sie einen Gang von gut zwei Schritt Höhe, von dem aus zu beiden Seiten Räume abgingen, deren Türöffnungen mit Vorhängen verhängt waren. Nia schob einen Vorhang beiseite und sah in eine Kammer, in der eine Truhe auf dem Boden, ein Bett an einer Seite und auf dem Tischchen unter dem Fenster ein Krug und eine Schüssel standen. Es lagen keine Kleider im Raum und die Truhe war leer, also stellte Nia ihre Satteltasche auf die Truhe und ging zu dem Krug. Der Krug enthielt Wasser, sie schüttete es in die Schüssel vor sich und begann Gesicht und Hände zu waschen. Erst dann ging sie wieder in das untere Stockwerk, wo ein junger Mann damit beschäftigt war Fleischstücke auf einem Rost über dem Feuer zu wenden. In einem Tontopf daneben lagen Paprika und Zuchinistreifen. Auf dem Tisch waren ein Teller, ein Becher, Löffel und ein Messer, sowie Eßstäbchen verteilt. Alles aus Holz mit wellenförmigen Schnitzereien. Nia setzte sich und betrachtete gedankenverloren den jungen Mann, der sehr gewissenhaft ihr Essen zubereitete.

Er wendete ihr den Rücken zu, und sie konnte ihn in Ruhe betrachten. Seine langen Haare hatte er zu einem Zopf geflochten und mit einem hellblauen Band zusammengebunden. Ein anderes Band war in den Zopf eingeflochten. Sein beiges Hemd lies seinen braunen, schlanken Nacken frei, um den ein Bronzeband lag. Das Hemd war mit Stickereien und Bändern geschmückt und lag sehr eng. Er hatte es an den Seiten mit Schnüren zusammengebunden, so daß sich die Formen seines sehr ansehnlichen Rückens, genau abzeichneten. Das Hemd endete knapp unter seinem Po, aber er durfte sich nicht zu tief bücken. Darunter standen lange, gerade Beine, die in weichen, blau gefärbten Sandalen endeten.

Nach einiger Zeit wandte er sich um und kam auf sie zu, um den Teller zu nehmen. Mit einer eleganten Bewegung legte er das Essen auf den Teller und stellte ihn wieder an seinen Platz zurück, die ganze Zeit lächelnd, aber ohne ein Wort zu sagen, die Augen niedergeschlagen. Auch als sie unter dem Stoff seinen Po berührte und streichelte, sah er nur kurz auf, verzog sein Gesicht zu einem Grinsen, und zog sich auf eine der Bänke zurück, wo er wartete bis sie mit dem Essen fertig war, um das Geschirr weg zu räumen.

Nia stand auf. „Wo ist der Ruheraum“ fragte sie. Er deutete auf eine der Türen, die von der Halle abgingen, blieb aber stehen wo er war. „Komm mit“, forderte sie, und er betrat hinter ihr den üppig ausgestalteten, ganz in blau gehaltenen Raum.

Der Mann sah zu, wie sie ihre Weste auszog und ihren Rock heruntergleiten ließ. Seine Augen wanderten über ihren Körper, und sie konnte deutlich sehen, dass ihm der Anblick gefiel.

„Komm“ forderte sie ihn auf, aber er blieb stehen.

„Was ist? Fürchtest du dich?“ fragte sie belustigt.

Er schüttelte den Kopf, sah sie an und verzog den Mund zu einem Grinsen.

Also ging sie zu ihm und zog ihn sanft aber sehr bestimmt zu den Kissen, die um das Wasserbecken verteilt waren.

Eine Stunde später lage sie beide erschöpft in den Kissen. Genüßlich drehte sie sich auf den Bauch, als er begann mit sanften Bewegungen über ihren Rücken zu streichen.

„Du hast dir einen ruhigen Tag ausgesucht, um hier zu übernachten, Meare, heute waren außer dir nur noch zwei Händlerinnen hier. Sie wollten nur etwas essen und sind schon wieder weg.“ Schweigend strich er weiter über ihren Rücken, nahm etwas Öl aus einem Topf und verteilte es mit kreisenden Bewegungen. „Ich war ganz froh als sie wegritten“, hob er wieder an, „Die eine sah zum Fürchten aus, mit ihrer Narbe.“

Nia wandte ihm den Kopf zu, „Narbe, was für eine Narbe?“

„Eine recht große Narbe, unter einem Auge. Sie ging bis hinunter zum Mund.“

Sofort hockte Nia aufrecht in den Kissen, den Jungen am Arm gepackt. „Hatte sie einen Jungen dabei, ein halbes Kind noch, etwas größer als ich?“

„j-ja.“

„Das sind sie.“ Nia lies seinen Arm los, auf dem sich nun ihre Finger abzeichneten, dann umfasst sie den Jungen vor sich an den Schultern, zog ihn zu sich, küsste ihn, strich mit der Hand über seine nackte, haarige Brust, sagte „du bist ein Goldstück“, zog sich an, drehte sich noch einmal um: „Weißt du wo sie hin wollten?“

Er schüttelte den Kopf, „sie haben mit Gera gesprochen, der Frau, die du heute hier angetroffen hast, Meare.“

Nia war bereits an der Tür. In der Halle war Gera nicht. Aber draußen saß sie unter dem Baum. Nia ging auf sie zu, blieb kurz vor ihr stehen und fragte: „Die beiden Händlerinnen, die heute hier gerastet haben, der Junge in ihrer Begleitung ist mein Bruder. Wo sind sie hin?“

„Bist du sicher?“

Nia nickte.

„Sie haben sich auf einem Boot nach Norden eingerichtet.“

„Danke Schwester.“ Wenige Minuten später war sie unterwegs nach Norden. Die Sonne war schon weit im Südwesten, und würde bald untergehen, aber sie hatte endlich eine Spur, und würde erst in der nächsten Stadt halten, vielleicht erwischte sie die Drei.

Der grüne Monat des Lebens

Leben ist die Kraft der Geburt, des keimenden, beginnden Lebens, das stets neu gebirt und sich selbst auffrisst. Es ist die erste Kraft, die grüne alles überwuchernde Kraft. So wie mit der Geburt und dem Keim das Leben beginnt.

So beginnt das Jahr im Frühling, am ersten Neumond nach der Tag-Nachtgleiche, wenn über der Kraft Leben der Tag beginnt.

24.3.2020 – 23.4.2020 Ist der grüne Mond des Lebens.

Während dieses Mondes erblüht das Leben, es wird wärmer und die Tage länger als die Nächte.

Am Vollmond dieses Mondes greifen die Dryaden nach den Welten.

Denems Weg

1. Die Amazonen

Nia saß mit gekreuzten Beinen auf einem Baumstamm und bearbeitete ein schmales Stück Holz mit dem Messer. Noch wusste sie nicht so recht, was bei ihrer Schnitzarbeit herauskommen sollte, hatte nur ein vage Vorstellung von einem Tier, vielleicht einem Vogel. Hinter ihr sendete eine rötliche Sonne ihre letzten Strahlen auf die rote Erde Ams. Es war ein warmer Tag gewesen, den sie mit den anderen auf dem Feld zugebracht hatte um Hirse auszusähen. Nun ruhte sie sich nach mehreren Stunden Arbeit aus. Im ein paar Schritte entfernten Wald suchte ihr Bruder Denem Holz. Ohne es sich einzugestehen, wartete sie auf ihren ungezogenen Bruder. Er war ein aufmüpfiger Junge, der selten einfach tat, was von ihm verlangt wurde. Meistens widersprach er und versuchte seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Es war nicht leicht mit ihm. Aber Nia machte sich Sorgen um ihren Bruder, so ungefährlich war der Wald nicht. Es konnte nicht mehr lange dauern bis der Junge nach Hause kam.

Vom Wald hörte sie Geräusche, das war er sicher. Als sie eine Stimme hörte, legte sie ihr Messer zur Seite, das war nicht Denems Stimme, diese Stimme war eine fremde Stimme, eine Frauenstimme. Nia legte das Holzstück neben das Messer und stand auf. Nach wenigen Schritten erreichte sie den Wald und umging das Gebüsch, das ihr die Sicht versperrte.

Auf einem recht eindrucksvoll aussehenden Pferd saß eine ebenfalls eindrucksvoll wirkende Frau mit einer großen Narbe unter ihrem rechten Auge und einer schweren Doppelaxt an ihrem Gürtel. Begleitet von einer anderen, etwas kleineren Frau, die ebenfalls auf einem Pferd saß und eine ebenso beeindruckende Doppelaxt bei sich trug. Beide hatten das blaue Symbol Najas vorne auf ihre Satteldecken gestickt. Beide sahen auf Denem herab, der ein Bündel Holz unter dem Arm haltend, trotzig zu ihnen hochsah.

„Guten Abend, Schwestern“, begrüßte Nia die Frauen, mit möglichst neutraler Stimme.

Diese sahen hoch und die Kleinere lächelte sie an. „Guten Abend, Schwester“, antwortete sie, „wir sind Reisende, auf der Suche nach einer Unterkunft für die Nacht.“ Nia folgte mit den Augen ihrem Blick, der nun auf Denem gerichtet war. „Geh ins Haus, Hunirat“, sagte sie scharf und der Junge gehorchte prompt.

„Dein Bruder?“ fragte die Frau, in einem Ton der Nia gar nicht gefiel, „hübscher Junge.“

Nia beschloss diese Bemerkung zu überhören und pflichtgemäß den Clanschwestern die Gastfreundschaft ihrer Familie anzubieten. „Wenn ihr wollt, könnt ihr bei uns übernachten“, sagte sie und deutete hinter sich in die Richtung des Hauses ihrer Familie.

Die beiden Reiterrinnen stiegen ab und folgten ihr über die Wiese zu dem großen Haus. Auf dem Platz vor der Eingangstür standen drei Männer, zwei Vettern von Nia und ihr Bruder Denem, die den Ankommenden neugierig entgegensahen, als sie näher kamen aber doch sicherheitshalber in dem großen Haus verschwanden, aus dem wenig später Nias Tante trat um die Fremden zu begrüßen. Die Frauen stellten sich als Sila und Kinara vor, und erzählten, sie seien auf dem Weg in die Steppe in der sie als Amazonen lebten. Tilea, Nias Tante, befahl einem Jungen, der in der Nähe stand, etwas zu Essen für die fremden Frauen heran zu schaffen. Dann bat sie die Gäste in die große Halle, in der das Leben der Familie stattfand.

Es war eine typische Halle, wie sie überall im Land zu finden waren. Sie bestand aus einem großen Raum, mit Sitzbänken an den Wänden und einer Feuerstelle in der Mitte, über die eine metallene Platte gelegt war. U-förmig um die Kochstelle herum standen Tische aus Holz, auf denen Schalen mit Brot und Krüge mit Wasser verteilt waren. Zwischen den Sitzbänken, an den Wänden, waren zwei große, mit hellen Decken bedeckte, Truhen aufgebaut. Neben jeder der vier Türen, die in die Halle führten, stand ein Wasserbecken, mit einer Kelle, zu Ehren der Göttin des Wassers, Naja. Im Augenblick war die Halle mit den Familienmitgliedern gefüllt, die an dem Tisch saßen und Brot aßen, während sie sich unterhielten. Ein paar Männer liefen zwischen den Frauen herum und bedienten sie. Der elegante Gang, und die sanfte Art der Männer war etwas, was Nia jedes Mal erfreute, wenn sie mit ihnen zu tun hatte. Sogar ihr ungehorsamer Bruder konnte sein Geschlecht nicht leugnen. Wenn er sprach oder sich bewegte hatte es etwas von einem Quokka, der zwar eigensinnig, aber doch schön und geschmeidig war.

Nun kam er mit einem Korb in die Halle. Vor der Feuerstelle hielt er inne, stellte den Korb ab, griff hinein und legte zwei Streifen Fleisch auf die Platte. Ein dicker Mann stellte sich neben ihn und begann Gemüse in einen Topf zu füllen, den er ebenfalls auf die Herdplatte stellte.

Auf dem Tisch wurden Schalen aufgefüllt um den Gästen auch die Gaben alle acht Göttinnen zu reichen. Silaras Fleisch und Hereses Wurzeln fehlten noch, aber Najas Wasser war im Überfluss auf dem Tisch verteilt, und auch Rahenes goldbraune Brötchen stapelten sich auf einer Metallplatte.

Die beiden Fremden setzten sich indes an den Tisch und ließen sich von zwei Männern Wasser reichen. Nia setzte sich zu ihnen. Nicht, dass sie Lust hatte sich mit ihnen zu unterhalten, aber sie wollte die Frau im Auge behalten, die ihren kleinen Bruder so auffällig musterte. Dieser stellte nach kurzer Zeit zwei Teller mit gebratenem Fleisch und dampfendem Gemüse vor die beiden Frauen.

„Du hast einen gut aussehenden Bruder“, wiederholte die kleinere der Frauen, die Kinara hieß ihr Kompliment, und Nia wusste, dass sie sich eigentlich geschmeichelt fühlen sollte, dass ihr Bruder die Aufmerksamkeit einer Fremden hatte. Noch mehr sollte es sie erfreuen, wenn die Fremde ihn zum Sex aufforderte. Es bedeutete eine Ehre für einen Mann und ebenso für seine Schwestern und Mutter, aber sie fühlte sich nicht geschmeichelt, nur misstrauisch.

„Ja, er ist ganz hübsch“, erwiderte sie möglichst freundlich. „Habt ihr eure Familien besucht?“ Versuchte Nia die Aufmerksamkeit der anderen von ihrem Bruder abzulenken.

„Auch“, war die Antwort, „aber einen Großteil der Zeit, die wir mal wieder im Stammland verbringen, sind wir herum geritten.“

„Dann seit ihr weit herum gekommen?“

„Ja, bis ans Südmeer.“

Das war weit und gefährlich. Die westliche Hälfte der Südküste war dicht bewaldet, und die Bewohnerinnen dieses Waldes waren unberechenbare Wilde, die kaum Berührung mit der Zivilisation hatten. Im Osten sah es nicht besser aus. Das Südreich im Südosten war das Reich Namu, einer blutdürstigen Meeresgöttin, von der Nia nicht viel mehr wusste, als dass sie als Menschenopfer, unberührte Jungen, verlangte. Eine barbarische Sitte, wenn man Nia fragte.

„Wart ihr im Südreich?“ Fragte sie, jetzt wirklich interessiert.

Ihre Gesprächspartnerin nickte, während sie sich ein Stück Fleisch in den Mund schob.

„Und, wie ist es dort?“

Die andere lachte, „Nicht viel anders als hier, nur das sie keine Clane haben, dafür sind sie aber sehr gastfreundlich und großzügig.“

„Keine Clane, aber wie sind sie dann organisiert? Ich meine, wie tauschen sie ihre Waren aus?“

Die Amazone hob die Schutern. „Sie verstehen sich als ein Clan. Ich denke, sie werden es ähnlich machen wie wir.“

Nia sah, dass ihr Bruder in der Nähe das Gespräch interessiert verfolgte, während er eher mechanisch Nüsse in eine Schale füllte.

Die Amazone folgte ihrem Blick und forderte den Jungen auf, sich zu ihnen zu setzen, „Mit einem so reizenden Zuhörer erzählt es sich doch gleich viel besser“, sagte sie, als er sich errötend neben sie setzte.

Die Geschichten, die sie erzählte, hatten wenig mit den Schauergeschichten zu tun, die Nia sonst gehört hatte. Sila berichtete von netten, fröhlichen Menschen, die sie selbstverständlich in ihrer Mitte aufnahmen, sie beherbergten und bewirteten. Von liebenswürdigen Männern, sanft, freundlich und gut aussehend, die in märchenhaften Männerhäusern lebten, von denen es in einem Dorf nur eins oder zwei gäbe. Dafür waren diese aber um so prächtiger. Sie erzählte von weichen Kissen, kostbaren Vorhängen und leiser Musik. Jeder Mann im Südreich werde darin unterrichtet ein Instrument zu spielen. Aber das Beeindruckenste sei der Tempel der Göttin Namu. Ein riesiger siebeneckiger Bau, jede der sieben Seiten gut 150 Schritte lang, mit einem prächtigen Innenhof.

„Du vergisst die Menschenopfer, jedes Jahr töten sie sieben Jungen.“ unterbrach Nia sie,

„Ja, aber es sind freiwillige Opfer, die Jungen freuen sich darauf.“

Ein ungläubiges Schnauben.

„Ich habe selbst mit einem Geweihten gesprochen. Sie glauben, nur so der Göttin nah sein zu können.“

„Das sie vorher belogen werden, macht die Sache nicht besser“, antwortete Nia, und setzte ein verächtliches „Göttin“ hinzu.

Sila lachte und Nia konnte sehen, dass die andere Frau schmunzelte. „Woher weißt du so genau, dass sie belogen werden?“

Darauf zu antworten hielt Nia einfach für überflüssig, also sah sie ihr Gegenüber nur mit einem eindeutigen Gesichtsausdruck an.

„Es ist eine beeindruckende Zeremonie“, fuhr dieses unbeeindruckt fort, „die Geweihten sind geschmückt und mit duftenden Ölen eingerieben. Das ganze Volk ist vor dem Tempel versammelt, alle staunen und bewundern die sieben Jungen, die der Mittelpunkt von allem sind. Sie tragen seltene, schöne Blumen im Haar, die extra für diesen Tag gezüchtet wurden. Ihre Körper sind mit seidenen Tüchern umhüllt. So treten sie noch einmal aus dem Tempel um von allen bestaunt zu werden. Ihr habt die Zufriedenheit auf ihren Gesichtern nicht gesehen. Die Hohepriesterinnen selbst führen sie in den Tempel.“

„Wo sie umgebracht werden.“ Unterbrach Nia den Redestrom der anderen.

„So kann man es auch nennen.“ Erwiderte diese.

Denem hatte nur still daneben gesessen und ihrer Unterhaltung gelauscht. Nia konnte an seinem Gesicht nicht erkennen, was er dachte. Fast schien es, als gefalle ihm was er hörte. Nia überlegte, ihn weg zuschicken, aber das wäre unhöflich ihrem Gast gegenüber gewesen. Die andere hatte ausdrücklich seine Anwesenheit gewünscht, und solange es nicht wenigstens den Anschein machte als erschreckten die Geschichten ihn, konnte sie als ältere Schwester schwerlich eingreifen. Auch als die Frau weiter sprach, die meiste Zeit mit Nia, nur hin und wieder wendete sie sich an den Jungen, hörte Denem ihnen mit ernstem, und ruhigem Gesicht, das weder Furcht, noch besondere Begeisterung verriet, zu.

Irgendwann hatten die Amazonen ihre Mahlzeit beendet und Nia bot ihnen ein warmes Bad und die Ruhe im Baderaum an, teils aus Höflichkeit, teils um sie von ihrem Bruder weg zu bringen, der sich, wie sie hoffte, in das Männerhaus zurückziehen würde, wenn die Amazonen ein Bad nahmen. Doch sie hatte sich geirrt.

„Ein Bad ist eine wundervolle Idee. Ein Bad und eine Massage, was Sila?“ Entspannt lehnte sich Kinara zurück. Dann beugte sie sich vor und nahm Denems Hand, was dieser ruhig und ohne jeden Widerwillen, den er sonst so oft zeigte, geschehen lies. „Du hast sehr weiche Hände“, stellte sie fest, „ich bin schon lange nicht mehr von Männerhänden massiert worden.“ Dann erhob sie sich und sah Nia fragend an.

Der blieb nichts anderes übrig, als den Frauen voran zu der Tür zu gehen, die seitlich in die große Halle führte, während sie zwei Jungen, beides Vettern, befahl frisches Wasser zu holen. Der Gang, der die Halle vom Baderaum trennte, war nur kurz und nach wenigen Schritten schob Nia einen Vorhang beiseite, um den verschwenderisch ausgestatteten Bade- und Ruheraum zu betreten, der vom Reichtum ihrer Familie zeugte.

Das runde Wasserbecken, das in der Mitte des Raumes in den Boden eingelassen war, wurde gerade von zwei Männern mit frischem Wasser aufgefüllt. Eine Sitzbank aus glattpoliertem Holz bildete einen Halbkreis um das Becken. Eine weitere, diesmal gerade und mit Kissen belegte, Bank bildete mit einem dreieckigen Tisch, auf dem ein Krug und ein paar Gläser standen, eine der Ecken der Raumes. Eine weitere Ecke war mit den Massagebänken besetzt. Glatte Holztische, die mit weichem Leder bespannt waren, daneben kleinere Tischchen, auf denen Tongefäße, mit duftenden Ölen und Cremes gefüllt, verteilt waren. Eine Öffnung in der hinteren Wand war mit Glas versehen, das sie teuer aus Tamanien gekauft hatten. Vor der Öffnung lagen bequeme Sitzkissen, von denen aus man einen guten Blick auf die hinter dem Haus liegende Grünfläche und das kunstvoll gebaute Männerhaus hatte. Die Wände waren so dicht mit Lehm und heller Farbe bestrichen, dass sie richtig weiß waren und nirgends das Holz, das die Wände trug, durchschimmerte. An der Längsseite des Zimmers zeigte die Wand das Bild zweier Koalabären, die sich unter einem blühenden Baum beschnüffelten, während ein rot-grüner Papagei ihnen neugierig zusah. Zwei Leitern führten zum Dachboden, der mit Kissen und Decken ausgestattet und in kleine Nischen eingeteilt war. Die beiden Frauen durchquerten den Raum um zu dem Wasserbecken zu gelangen, neben dem die zwei Jungen knieten. Eine Amazone setzte sich neben dem Becken auf den Boden, zog ihre Stiefel aus und steckte ihre Füße ins Wasser, „Ahh, es ist wundervoll“.

In dem Moment erschien Denem an der Türöffnung. Kurz blieb er stehen, den Vorhang angehoben haltend und schüchtern zu der Frau sehend, die ihre Füße ins Wasser hielt, dann ließ er den Vorhang hinter sich zufallen und schritt in die Mitte des Raumes, wo Kinara ihn erwartete. Ärgerlich stand Nia auf, was sollte sie noch tun? Gemeinsam mit den zwei Männern verließ sie den Raum.

Die Nacht verbrachte sie unruhig auf ihrer Matte am anderen Ende des Hauses. Sie wusste nicht warum, aber sie sorgte sich um ihren Bruder, der so willig zu dieser fremden Frau gegangen war, der sie misstraute.

Am Morgen war sie unausgeschlafen und schlecht gelaunt. Mürrisch aß sie von Silaras Eierspeise, die ihr einer ihrer älteren Neffen vorsetzte und sah sich nach den beiden Amazonen um. „Wo sind eigentlich Kinara und Sila?“ Fragte sie schließlich die Frau, die neben ihr saß und noch an Tesewas Früchten kaute.

„Die sind bei Morgengrauen los.“ War die uninteressierte Antwort.

„Und Denem?“

Die Andere hob die Schultern. „Schläft noch?“

Sofort stand Nia auf und lief in den Baderaum, um die Schlafnischen zu durchsuchen, in denen Denem mit Sicherheit die Nacht verbracht hatte. Die Nischen und auch der unter ihnen gelegene Raum waren leer. Nach ihrem letzten Strohhalm greifend suchte sie das Männerhaus auf, vielleicht war er ja dort. Zwei verschlafene Männer, ihr Cousin Mahonit und ihr Onkel Samin sahen auf, als sie atemlos in den Gemeinschaftsraum der Männer stolperte. In weite Tücher gehüllt saßen sie auf der Bank, die einmal die Wände des Raums entlang führte, offensichtlich mit ihrer Morgentoilette beschäftigt.

„Ist Denem hier?“ wollte sie atemlos wissen.

Beide schüttelten den Kopf, „Er ist letzte Nacht nicht herüber gekommen. Er wird wohl noch im Haupthaus sein.“ Antwortete der ältere der beiden, ehe er sich wieder seinem Neffen zuwendete, ihn in die Kunst des Schmückens einzuweisen.

Im Stall standen zwei Pferde, es waren drahtige, kleine Pferde, zäh und genügsam. Nia sattelte das Braune und führte es aus dem Stall heraus auf die Rasenfläche, die sich um das Haus herum erstreckte. Wo waren sie lang geritten? Sie hatten Steppe gesagt, also nach Osten. Nia kniete nieder und versuchte die Spuren der beiden Pferde zu erkennen, auf denen die beiden Amazonen geritten waren, der Boden war von vielen Pferdehufen und menschlichen Spuren zertreten. Es hatte keinen Sinn. Also auf gut Glück Richtung Osten. Sie schwang sich aufs Pferd und ritt los. Als sie den Hügel erreicht hatte, der ein paar hundert Meter hinter dem Haus lag, und so einen guten Überblick über das Land bekam, versuchte Nia die Amazonen am Horizont zu erkennen. Sie sah nur den Morgennebel, der sich langsam auf das Land senkte.

Also wendete sie ihr Pferd und ritt zurück zum Haus. Es hatte keinen Sinn, sich unüberlegt und völlig ohne Vorbereitung, in die Verfolgung zu stürzen. Im Haus ging sie als erstes zu ihrer Großmutter, die in der Halle beim Frühstück saß. „Denem ist verschwunden. Ich nehme an die Amazonen haben ihn mitgenommen!“

Die alte Frau sah vom Essen hoch. „Bist du sicher?“

Nia nickte, „Ich werde ihnen folgen und ihn zurück bringen. Ich brauche nur noch Proviant und ein paar Sachen, dann reite ich. Ich denke, dass ihr die Ernte auch ohne mich einbringen könnt.“

Die Großmutter wiegte den Kopf. „Willst du alleine reiten?“

„Ich habs eilig, Murigan.“

„Na dann reite.“

Sofort wendete sich Nia an den Jungen, der in einiger Entfernung auf der Bank hockte. „Jeon, besorg mir was zu Essen, für etwa eine Woche Proviant. Beeil dich bitte.“ Dann lief sie zu ihrer Schlafnische, wo ihr persönlicher Besitz lag, und packte ein, was sie brauchen konnte. Wenige Minuten später stand sie wieder draußen und verteilte die Dinge, die sie mitnehmen wollte, in die Satteltaschen ihres Pferdes.

Jeon brauchte etwas Zeit, ehe er mit dem Proviant ankam. Ungeduldig nahm sie ihm den Lederbeutel aus der Hand und verpackte ihn ebenfalls. Mittlerweile war ihre Mutter aus dem Haus getreten. „Nia, sei vorsichtig.“

Nia stieg auf ihr Pferd und streckte ihr Hand nach ihrer Mutter aus. Diese ergriff die Hand. „Ich bringe ihn zurück.“ Verspach Nia, dann wendete sie ihr Pferd und ritt gen Osten.

Thot – der silberne Mond von Duat

Der silberne Mond von Duat ist ein ruhiger, sehr kalter Mond.

Er ist fast vollständig vereist, nur um die Lawa-Flüsse herum hat der Mond wärmere Zonen. In diesen Zonen spielt sich das meiste und vor allem das intelligente Leben auf Thot ab. Hier ist der Boden frei von Schnee und fruchtbar. Die Siedlungen der Banar von Thot liegen entlang der Lawaflüsse und die nomadischen Banar ziehen durch diesese Gebiet.

Im Süden von Thot erhebt sich der Thotdaran, ein riesiger Vulkan aus dem sich beständig ein Lawa-Strom ergießt. Dieser spaltet sich an den großen Salzbergen in den Surdat und den Thaib. Beide ströme werden zusätzlich von kleineren Vulkanen gespeißt.

Das meiste Land besteht aus rotem und braunem Steppenland, welches teils mit Gras bewachsen und teils mit Fliedersand bedeckt ist. Um die Siedlungen herum liegen Felder, dazwischen ist das Land naturbelassen. Thot kennt aber auch Wälder, welche auch weite Strecken des fruchtbaren Landes bedecken, natürliche Rosenfelder und Salzberge und -felder. Zwischen den beiden größten Lawa-Flüssen liegt der Silbersee, ein Meer aus flüssigem Silber. Am nördlichen Rand dieses Meeres erhebt sich das graue Gebirge. Zwei goldene Akademien, Stätten der Forschung und der Lehre, liegen auf Thot. Eine liegt oben in den grauen Bergen, die andere an einem der Lawa-Flüsse.

Neben den Banar ist das Leben um die Lawa-Flüsse auch reich an tierischem und pflanzlichen Leben. Entlang des Surdat, welcher nach Westen fließt, leben vor allem Großkatzen, entlang des Thaib leben Hundeartige Tiere. Dazu kommen verschiedenste kleinere Lebewesen.

Die Banar von Thot sind Menschengroß, mit schwarzer Haut und silbrigglänzendem Haar. Ihre Siedlungen sind, ebenso wie ihre nomadischen Gruppen, sehr streng organisiert. Sie haben Könige, Ehrenvolle Mitglieder, einfache Mitglieder, Bedienung und auch Sklaven. Jeder Stand ist erst einmal erblich. Man wird als das geboren, was die Eltern einem vorgeben. Die meisten Thut verbleiben in dieser Position und leben dort ihr Leben, wo sie geboren wurden.

Doch durch besondere Taten kann jeder und jede Banar auf Thot im Rang aufsteigen. So können Sklaven auch zu Freien werden und es kann jede und jeder Banar aufsteigen zu einem ehrenvollen Mitglied der Gemeinschaft.

Andersrum können Verbrechen zu einen Abstieg führen, bis in die Sklaverei.

Diese errungenen Positionen werden an die Nachkommen weitervererbt.

So offen wir die Gesellschaft der Thot zwischen den Schichten ist, ist sie auch zwischen den Geschlechtern. Frauen können ihre Fähigkeiten beweisen und werden für gute Taten geachtet. Das ist unter den Banar eher selten. So kann eine Frau zum ehrenvollen Mitglied der Gemeinschaft aufsteigen und als solche auch Macht erlangen. Ihre Töchter werden diesen Rang von ihr erben.

Auf Thot gibt es 143 Clane, welche sich über alle Ströme ziehen. Die Clane haben ihre Hauptgebiete, aber auch Nebengebiete. Die meisten Clane haben sowohl seßhafte, als auch nomadisch lebende Mitglieder. Eine Siedlung gehört gewöhnlich einem Clan, und Mitglieder anderer Clane sind dort Gäste.

Wenn man nun das Land um die Lawa-Flüsse verläßt, kommt man in die silberne Eiswüste von Thot. Ein Großteil des Mondes ist von Eis und Schnee bedeckt. Hier gibt es kaum Leben, und kein Banar geht freiwillig in die Eiswüste.

Das Land ist von Silberadern durchzogen, was ihm den silbernen Glanz verleiht. Daher glitzert das Eis silbern und strahlt förmlich, so dass der Mond silbern schimmert. Doch es ist eiskalt. Die Eiswüste hat Temperaturen weit im Minus-Bereich. Banar können hier ohne technische Hilfsmittel nicht lange überleben. Hier, in der Kälte, liegen auch die Wasser-Seen von Thot. Es sind warme Quellen, so dass das Wasser frei von Eis ist und eine Temperatur von über 30° hat. Diese Seen sind ein Grund dafür, dass die Thot das Eis meiden. Sie sagen, im Eis lauere der Tod.

Und doch liegt weit im Eis der die silberne Pyramide umgeben vom Eispalast.

Der Legende nach, lebt hier der Eisclan, der 144 ste Clan von Thot, regiert von der Eiskönigin.

Über diesen Clan gibt es nur Gerüchte, welche ihm alle möglichen Fähigkeiten und Eigenschaften andichten. Durch das Eis soll ihr Herz gefroren sein und die Mitglieder des Eisclans sollen wunderschön und doch grausam und herzlos sein.

Die AdCon 2020

Nun schon das dritte Jahr trat ich meine Schicht am Samstagnachmittag hinter der Theke der AdCon an.

Im wesentlichen bedeutet es, dass ich drei Stunden damit beschäftigt bin, Essen auszugeben, Getränke zu verkaufen, für Nachschub zu sorgen und die Essenskarten abzustreichen. Natürlich nicht alleine. Wir sind mindestens zu zweit und in der Küche sind auch immer noch ein paar Leute am wirbeln. Unsere Kuchen sind im übrigen selbst gebacken von einem unserer Mitglieder – und hammerlecker.

Der Renner waren aber, wie immer unsere Hotdogs.

Erst nach der Schicht fand ich Zeit mich umzusehen, und mal wieder so richtig Con-Atmosphäre zu inhalieren. Tische mit Fastfood, Charakterblättern, Regelbüchern und Würfeln, um die Menschen saßen, die geistig in ganz anderen Welten unterwegs waren, waren in mehreren Räumen verteilt. Ich bin nicht sicher, ob ich alle gefunden habe.

Aber auch Spiele wurden gespielt, die ich nie zuvor gesehen habe.

Damit auch bekannt wurde, wo welche Runde stattfand, stand an zentraler Stelle eine Pinwand, auf der die Runden zu finden waren, und daneben die Con-News, die alles Wissenswerte oder auch nur Amüsante zum Con verbreiteten.

Statt zu spielen, habe ich ein paar Bilder gemacht, natürlich nicht ohne vorher die Erlaubnis einzuholen, und dann alte Freunde wieder getroffen, die ich nur von RPG-Cons kenne.

Gelohnt hat es sich damit auf jeden Fall, und nächstes Jahr werde ich mir dann wieder eine Runde suchen um auf dem Ad-Con auch mal wieder Pen and Paper spielen.

Und nicht zu vergessen: Wie jedes Jahr war auch der Rollenspiel-Laden Atlantis wieder mit einem Stand vertreten.

Ganz wichtig ist natürlich auch unser jährlich neu gestalteter Con-Becher, von dem ich nun wieder ein Exemplar mein Eigen nenne.

Kernkäfer im Zeitnetz

Im Netz der Zeit verweben die Zeitspinnen die Fäden des Schicksals und spinnen die Zeit. Für sie ist die Zeit wie unzählige, riesige Spinnennetze, welche sich ineinander verweben und ausweiten, über die Ewigkeit.

Umgeben sind die Zeitspinnen von den Zeitkäfern, welche ihre Spinne versorgen, dass sie weiterspinnen kann. Anders als die Spinnen pflanzen die Käfer sich fort, altern und sterben, auch wenn sie eine sehr lange Lebensspanne haben.

Eines der Völker sind die Kernkäfer.

Ihre Spinnen sind für Zeitspinnen klein, mit sehr runden Hinterteilen, aus denen sie die Fäden der Bedeutung und des inneren Wesens spinnen. Sie wirken eher unscheinbar und haben die Fähigkeit einfach übersehen zu werden. Ihre Käfer sind graue Termiten und wie die Zeitspinnen eher klein im Vergleich mit den anderen Zeitkäfern.

Sie leben in runden Nestern, die sie sich aus den Zeitfäden zusammenziehen. So entstehen zum einen die Behausungen der Kernkäfer, zum anderen schicksalhafte Verbindungen im Zeitgefüge, welche das Weltgeschehen, oder auch nur den Lebenslauf Einzelner, drastisch beeinflussen.

Dies kann völlig unauffällig passieren, oder großes Aufsehen erregen. Doch immer führt es zu tiefgreifenden Entwicklungen.

Buchrezension: Der Fluchsammler von Ann-Kathrin Karschnick

Als mir das Buch „Der Fluchsammler“ in die Finger kam, war ich noch nicht auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für meinen Mann. Es war der 23. März und ich war zusammen mit meiner Tochter auf der Leipziger Buchmesse. Der Geburtstag meines Mannes ist erst im Juni, das war noch etwas hin.

Aber irgendwie sprach es mich an und ich dachte mir, dass es etwas für ihn sein könnte. Also kaufte ich das Buch, versteckte es bis Juni und las es dann im Herbst.

Die Idee des Buches war zumindet mir neu. Vincent, ein junger Mann – zumindest augenscheinlich jung, der Gute ist über 100 Jahre alt – befreit Menschen von Flüchen, so sie denn verflucht wurden. Das macht er nun schon seit 100 Jahren und bald läuft sein Vertrag aus. Es geht um seinen letzten Fluch, dem er auf den Grund gehen soll.

Elisabeth ist Streetworkerin von Beruf und bei ihr ist Beruf wirklich Berufung. Nur kann sie seit einem Jahr nicht mehr arbeiten. Sie ist verflucht. Jeder Mensch in ihrer Nähe befindet sich in Lebensgefahr. Darum bleibt sie zuhause und leidet entsetzlich.

Vincent könnte ihre Rettung sein, nur weiß sie nicht, ob sie ihm vertrauen kann.

Die Geschichte ist spannend zu lesen, auch wenn vieles recht klar und augenscheinlich wirkt. Wir wissen genau, wer den Fluch ausgesprochen hat. Es ist auch recht schnell klar, dass dies zumindest auch eine Liebesgeschichte ist und wie diese ausgehen wird.

Aber der Fluch ist komplexer als gedacht, und wer nun noch involviert ist und warum eigentlich jemand diesem unsympathischen Psychopathen im Gefängnis hilft, bzw. ob er ihm überhaupt hilft oder nicht seine eigenen Interessen verfolgt, das bleibt bis zu den letzten Seiten rätselhaft.

Besonders hat mir allerdings ein Schlenker ganz am Ende gefallen, den ich hier natürlich nicht verraten werde, da er mitten im Showdown nicht alles, aber doch einiges, auf den Kopf stellt.

Also, wer etwas Mystery mit frischen neuen Ideen und zwei interessanten Protagonist:innen mit ihren Eigenheiten mag und dabei gerne etwas rätselt, wird mit diesem Buch viel Vergnügen haben.

Der Fluchsammler
Ann-Kathrin Karschnick
Papierverzierer

Die Dämonen von Sutu

Sutu – Ashmedai

Auf Damar leben Dämonen. Es gibt verschiedene Arten von Dämonen: Die Anath, die Ashmedai, die Ur und die Höhlenläufer. In diesem Beitrag geht es um ein Volk der Ashmedai, um die Sutu.

Die Ashmedai sind wohl den midgardischen Vorstellungen von Dämonen am nächsten. Sie sind etwa menschengroß, ihre Haut ist braun, ihre Haare meist schwarz. Sie haben ledrige, braune Schwingen die ihnen von den Schultern aus wachsen. Einige haben an den Flügelspitzen Krallen, auch kommen kleinere und selten auch größere Hörner an der Stirn vor. Ihre Zähne sind scharf und erinnern an ein Raubtiergebiss. Die Ashmedai ernähren sich sowohl von Fleisch, als auch von dem was sie anbauen. Wie die anderen Dämonen auch sind sie Bauern die nebenher auch Tiere halten und jagen.

Die vier Inseln des Kontinentes, auf dem die Ashmedai beheimatet sind, bestehen aus von Bergen durchzogenem, erdigen Land. Nach Süden hin wird das Klima wärmer und richtig heiß. Allein in den nördlichsten Regionen wird es im Winter ernsthaft kalt. Im Süden wir der Sommer tropisch heiß. Hier ist es auch im Winter warm, aber nicht so warm wie im Sommer. Die Hitze stammt aus dem Heißland um das ewige Feuer. Durch dieses Feuer haben die Engel aus Angary einen Weg auf diese Welt gefunden und halten nun die südliche Insel besetzt.

Die anderen Inseln sind frei von der Herrschaft der Engel und halten sich in ständiger Verteidigungsbereitschaft gegen ihre feindlichen Nachbarn. Es gibt 18 freie Länder verteilt auf 3 Inseln. Sie sind verbunden durch Tunnel durch die Steinberge. Die Tunnel werden in bewachten Kolonnen durchquert, von denen sich die Höhlenläufer fernhalten.

Sie leben in Nestern gemeinsam: Eine Frau hat bis zu 12 Männer, mit denen sie ihre Kinder bekommt. Die Frauen bestimmen die Politik des Nestes und ziehen die Jungen auf. Die Männer verteidigen das Nest und vertreten es häufig nach Außen hin. Bestimmend sind unter den Ashmedai aber die Mütter der Nester. Politik wird bei den Ashmedai allgemein stark von den Frauen bestimmt. Sie sind oft Clanmütter und diese treffen wichtige Entscheidungen.

Frauen gegenüber zeigen und erwarten die Ashmedai selbstverständlichen Respekt. Es gibt deutlich weniger Frauen als Männer unter ihnen, und die wenigen Frauen haben eine hohe Stellung in der Gesellschaft. Männer gehen etwas rauer miteinander um. Von einem Mann erwarten die Ashmedai, dass er seinen Mut und seine Fähigkeiten beweist, um zu zeigen, dass er ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft ist oder sein kann. Frauen erhalten ihre Stellung und Anerkennung, wenn sie Mütter werden.

Die einzelnen Dämonen sind auf Ashmedai, zumindest auf den nördlichen Inseln auch frei in ihrer Entscheidung. Männer wie Frauen können ein Nest verlassen. Nur die Eltern kleiner Kinder sind daran gebunden, diese Kinder zumindest so weit groß zu ziehen, bis sie sicher laufen und fliegen können.

Kinder werden freundlich behandelt, aber nicht wirklich ernst genommen. Die Ashmedai erwarten, dass sie ihre Position in der Gesellschaft einnehmen, ehe sie bereit sind, sie als vollwertige Dämonen zu akzeptieren.

Politische Strukturen kennen die Ashmedai wenige. Sie haben die Nester und jedes Nest hat eine Nestmutter. In wichtigen Angelegenheiten beraten einander die Nestmütter und zu meist gemeinsam getragenen Entscheidungen.

Die Städte sind große Ansammlungen von Nestern, die nahe beieinander liegen. Hier wird gehandelt und hier versammelt sich das Handwerk. Doch im Denken und Fühlen der Ashmedai bleiben die weiten Felder und die auf ihnen verteilt liegenden Nester der Kern ihrer Kultur und ihres Lebens.

Es gibt 3 freie Inseln und eine Insel unter der Macht der Engel.

Die nördlichste der Inseln ist Sutu. Diese Insel kennt ernsthaften Winter und milde Sommer. Zumindest im Norden von Sutu, in Nireti sind die Winter oft kalt und streng. Hier kennen die Dämonen auch das Märchen von Nubur, dem Schneeläufer, der kommt und die Kinder holt, wenn sie in der Dunkelheit noch unterwegs sind. Der Schneeläufer holt aber nicht nur die Kinder, er bringt auch Gebäck und kleine Geschenke in die Nester, wenn dort kleinere Kinder leben. Man darf ihn nur dabei nicht stören.

Die Nester auf Sutu folgen alle dem Schema, dass um ein Hauptnest die Nebennester gruppiert werden. Die einzelnen Gebäude sind von Veranden umgeben, auf denen sich das öffentliche Leben des Nestes abspielt. Die Sutu sind durchaus gastfreundlich, bis zu dieser Grenze.

Weiter eingeladen zu werden, in das Nest selbst, ist eine große Ehre und ein Vertrauensbeweis.

Im Norden von Sutu ist die Veranda allerdings häufig noch einmal von Fenstern und Holzwänden eingefasst, um gegen Kälte und Wind geschützt zu sein.

Auch wenn die Sutu eigentlich Bauern sind und sehr friedliebend, lernt jeder Junge sich im Kampf zu behaupten. Aus dem Süden droht stets die Gefahr der Engel, und es gehört nun mal zu den Aufgaben der Männer das Nest und ihre Frauen zu verteidigen.

Allerdings ist in Sutu diese Gefahr recht weit entfernt. Sutu ist der nördlichste Teil von Ashmedai.

Regierungen kennen die Sutu nicht. Sie bilden eine Struktur aus Nestern und Städten. Dabei werden die Städte von Mütterräten organisiert, während in den Nestern die Nestmütter das Sagen haben.

Auf der Insel liegen 7 Länder: Nugar, Buhr, Suhl, JaiTin, Nireti, Savir und Lietwar.

Im westlichen Nugar wird vor allem Kristall abgebaut und bearbeitet. Das kleine Land ist berühmt für sein Kristallhandwerk und die sehr hübschen kleinen Figuren die sie herstellen.

Allerdings verkaufen sie ihre Kunst auch teuer.

Ihre Nachbarn die Buur sind vor allem Bauern, ebenso wie die JaiTin, ihre Nachbarn. Die beiden Länder sind durch das Gebirge getrennt und unterscheiden sich kulturell durchaus von einander. So haben die JaiTin spitze Dächer und weiter Reisfelder, da es bei ihnen viel Regen gibt, während die Dächer der Buur deutlich flacher sind und sie stärker Gemüse anbauen.

Suhl umgibt einen Kristallsee in dessen Mitte die Kristallstadt Urta liegt. Hier in Urta liegt der Kristallpalast in dem der Kristallclan lebt. Dieser Clan ist uralt, der Legende nach waren sie die ersten Dämonen auf Sutu. Der Clan ist nicht wirklich reich und auch nicht wirklich mächtig, aber er ist von hoher spiritueller Bedeutung für alle Sutu-Dämonen.

Manche Sutu-Männer pilgern nach Urta um ein oder zwei Jahre dem Kristallclan zu dienen und dann in ihr normales Leben zurück zu kehren. Durch seine von Gebirge umgebene Lage ist Suhl von den anderen Ländern recht abgeschieden und hat einige eigene Bräuche entwickelt, wie die 12 Kristalltage.

Die östlichen Länder, Listwar, Sawir und Nireti sind Bergiger als ihre Nachbarn und hier wird Bergbau und auch Metallabbau betrieben. Gerade im Norden, in Nireti, ist die Flora eher dünn und die Nireti leben vor allem vom Abbau ihrer Mienen und dem Handwerk. So wie die Nugar für ihr Kristallhandwerk bekannt sind, sind es die Nireti für ihr Metallhandwerk und besonders ihre Waffen. Weit im Süden verwenden die Dämonen noch die Klingen der Nireti.

Die vier Feste der Jahreszeiten:

Die Kultur der Sutu-Dämonen kennt einige Bräuche entsprechend der Jahreszeiten. Sie feiern Lichter-Feste im Winter, Fruchtbarkeitsfeste im Frühjahr, Sommerfeste und Erntefeiern im Herbst. Diese Feste unterscheiden sich in Einzelheiten je nach Land und Region, aber allen Sutu-Dämonen ist gemeinsam, dass sie die Vier Jahresfeste feiern.

Im Winter werden kleine Glaslaternen in die Bäume und an die Hauswände gehängt. Es werden Girlanden und Gedecke gebastelt und in den Häusern und auf den Veranden verteilt und überall steht warmes Gebäck, das extra für das Lichterfest gebacken wird.

Der Schmuck und die Lichter bleiben über mehrere Tage, teils auch den ganzen Winter. Am Abend des Lichter-Festes dann wird sich versammelt. In Sutu wird ruhig gefeiert, gesungen und gegessen.

Im Frühling dann werden zum Fruchbarkeitsfest Blumen im Haus verteilt und ausgepustete Eier bemalt und aufgehängt.

Es wird viel Musik gemacht und getanzt und kommt auch immer mal zu sexuellen Interaktionen. Es gibt weniger ein Fest, als immer wieder kleinere Feste über die Frühjahrszeit. Nach den Festen beginnt dann die Aussaat.

Im Sommer schmücken die Ashmedai von Sutu ihre Häuser mit langen, farbigen Stoffstreifen und Papierblumen. Es wird viel gesungen und gibt immer wieder kleinere Tanzfeste, bis zum Mittsommer. Am längsten Tag im Jahr ruht alle Arbeit und die Dämonen kommen zu einem großen Sommerfest zusammen.

Das Erntefest findet dann im Herbst, nach der Ernte statt. Dadurch wird es in jedem Land an einem anderen Tag gefeiert, je nach dem, wann die Ernte beendet ist.

Das Haus wird mit Herbstgräsern geschmückt und vor dem Fest gestrichen und erneuert.

Da die Felder abgeerntet sind, wird dort gefeiert. Auf den Feldern werden Tücher ausgebreitet, auf denen die Dämonen picknicken. Sie tanzen auf den Feldern und am Ende der Feier, werden die Reste des Mahls im Boden vergraben.

Picard

Heute werde ich meinem Motto doch untreu, aber manchmal möchte ich doch: „Danke“ sagen.

In diesem Fall geht es um die neue Star Trek Serie: Picard. Jean-Luc Picard ist zurück. Im wahrsten Sinn des Wortes. The next Generation hat den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft, und alles mitgenommen, was Star Trek ausmacht.

Ich kenne Star Trek noch aus den 70ern, als Kirk mit flotten Sprüchen die Enterprise durchs Weltall und alle möglichen Abenteuer führte. Das war fast eher eine Kinderserie, aber dann kam „Enterprise, das nächste Jahrhundert“, unter dem Komando von Jean-Luc Picard. Die flotten Sprüche wurden deutlich weniger, dafür kam mehr Tiefe in die Serie.

Was bei Kirk durchaus schon vorhanden war, wurde nun zum wesentlichen Element von Star Trek. Es ging um Ethik, um Respekt vor anderen Lebensweisen und darum auch in schwierigen Situationen das Richtige zutun. Und ganz wesentlich ging es darum Kämpfe zu vermeiden, nicht sie zu gewinnen.

Leider verlor sich vieles von dem was ich an Star Trek geliebt habe, in spätere Serien und Filmen, ja bis zu dieser neuen Serie.

Ein Friede der geschlossen wurde, in dem Gutes getan wurde und nicht durch Drohungen. Die Fragen nach Richtig und Falsch, verwoben mit einem Rätsel, das es zu lösen gilt. Und nicht zu vergessen: Jean-Luc Picard. Der Picard, der dem Volk, welches ihn als Gott verehren wollte, erklärte, dass er kein Gott sei.

Über die Serie werde ich nichts weiter schreiben. Nur so viel, dass ich nach der ersten Folge mir sicher bin, dass es wieder eine Star Trek Serie gibt, welche uns nun wöchentlich vor den Bildschirm bringt.

Und dafür bin ich Patrik Steward und dem gesamten Produktionsteam, sehr dankbar.

Buchvorstellung: Nachtriss – Jagdfieber von Hella Menschel

Nachdem ich nun selbst ein Buch geschrieben habe, das in einem Kleinverlag veröffentlicht wurde und sich auch wenig um Mainstream kümmert, werde ich dieses Buch hier ebenfalls vorstellen:

Nachtriss – Jagdfieber ist der erste von 3 Bänden.

Es geht um Vampire, die Art von Vampiren, die Nachts unterwegs ist, Blut trinkt, nicht altert und bei Sonnenlicht recht schnell zu Staub zerfällt. Vampire die so unteschiedlich sind, wie die Menschen die sie einmal waren. Ob sie nun ihr Unleben als Chance begreifen oder als Fluch ansehen, ob sie Menschen benutzen und manipulieren oder ihre Fähigkeiten einsetzen sie zu retten, ob sie an ihrem Blutdurst verzweifeln oder ihn hemmungslos ausleben – was ihnen gemeinsam ist, ist dass sie bestimmt nicht glitzern.

Diese Vampire haben ein gemeinsames Problem, einen Feind, der sie jagt um sie zu vernichten.

In Nachtriss erzähle ich die Geschichte des Kampfes gegen die Vampirjäger aus Sicht der Vampire. Es sind 12 Geschichten aus der Sicht von 12 völlig verschiedenen Vampiren. Jede Geschichte steht für sich, und bringt dabei die allgemeine Handlung voran:

Wer sind diese Vampirjäger?

Wo kommen sie her?

Und woher, verdammt noch mal, haben sie ihre magischen Fähigkeiten?

Der erste Band erzählt die ersten vier Geschichten:

Natalie die Anarchistin, die schon in den 1930ern gegen die Nazis kämpfte, verfolgt nun einen Werwolf in Berlin.

In Prag verliebt sich die kämpferische Vampirin Karin in die Person, die sie observiert.

Der Bürokrat Martin will in Hamburg seine sterbliche Tochter retten.

In Istanbul verwirren sich die Zeitebenen und die Wege des verhältnismässig jungen Vampires Sigismund mit dem Werdegang der roten Alten. Erschwerend kommt hinzu, dass keiner der Hauptcharaktere über so etwas wie einen klaren Geist verfügt.

Da dies völlig verschiedene Personen sind, wird auch jede Geschichte auf ihre eigene Art erzählt.

Nachtriss – Jagdfieber
Hella Menschel
Stichblattverlag

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