{"id":349,"date":"2020-03-23T20:30:33","date_gmt":"2020-03-23T20:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/?p=349"},"modified":"2020-03-23T20:30:33","modified_gmt":"2020-03-23T20:30:33","slug":"denems-weg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/?p=349","title":{"rendered":"Denems Weg"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>1. Die Amazonen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nia\nsa\u00df mit gekreuzten Beinen auf einem Baumstamm und bearbeitete ein\nschmales St\u00fcck Holz mit dem Messer. Noch wusste sie nicht so recht,\nwas bei ihrer Schnitzarbeit herauskommen sollte, hatte nur ein vage\nVorstellung von einem Tier, vielleicht einem Vogel. Hinter ihr\nsendete eine r\u00f6tliche Sonne ihre letzten Strahlen auf die rote Erde\nAms. Es war ein warmer Tag gewesen, den sie mit den anderen auf dem\nFeld zugebracht hatte um Hirse auszus\u00e4hen. Nun ruhte sie sich nach\nmehreren Stunden Arbeit aus. Im ein paar Schritte entfernten Wald\nsuchte ihr Bruder Denem Holz. Ohne es sich einzugestehen, wartete sie\nauf ihren ungezogenen Bruder. Er war ein aufm\u00fcpfiger Junge, der\nselten einfach tat, was von ihm verlangt wurde. Meistens widersprach\ner und versuchte seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Es war nicht\nleicht mit ihm. Aber Nia machte sich Sorgen um ihren Bruder, so\nungef\u00e4hrlich war der Wald nicht. Es konnte nicht mehr lange dauern\nbis der Junge nach Hause kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom\nWald h\u00f6rte sie Ger\u00e4usche, das war er sicher. Als sie eine Stimme\nh\u00f6rte, legte sie ihr Messer zur Seite, das war nicht Denems Stimme,\ndiese Stimme war eine fremde Stimme, eine Frauenstimme. Nia legte das\nHolzst\u00fcck neben das Messer und stand auf. Nach wenigen Schritten\nerreichte sie den Wald und umging das Geb\u00fcsch, das ihr die Sicht\nversperrte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\neinem recht eindrucksvoll aussehenden Pferd sa\u00df eine ebenfalls\neindrucksvoll wirkende Frau mit einer gro\u00dfen Narbe unter ihrem\nrechten Auge und einer schweren Doppelaxt an ihrem G\u00fcrtel. Begleitet\nvon einer anderen, etwas kleineren Frau, die ebenfalls auf einem\nPferd sa\u00df und eine ebenso beeindruckende Doppelaxt bei sich trug.\nBeide hatten das blaue Symbol Najas vorne auf ihre Satteldecken\ngestickt. Beide sahen auf  Denem herab, der ein B\u00fcndel Holz unter\ndem Arm haltend, trotzig zu ihnen hochsah. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Guten\nAbend, Schwestern&#8220;, begr\u00fc\u00dfte Nia die Frauen, mit m\u00f6glichst\nneutraler Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese sahen hoch und die Kleinere l\u00e4chelte sie an. &#8222;Guten Abend, Schwester&#8220;, antwortete sie, &#8222;wir sind Reisende, auf der Suche nach einer Unterkunft f\u00fcr die Nacht.&#8220; Nia folgte mit den Augen ihrem Blick, der nun auf Denem gerichtet war. &#8222;Geh ins Haus, Hunirat&#8220;, sagte sie scharf und der Junge gehorchte prompt.  <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Dein\nBruder?&#8220; fragte die Frau, in einem Ton der Nia gar nicht gefiel,\n&#8222;h\u00fcbscher Junge.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nia\nbeschloss diese Bemerkung zu \u00fcberh\u00f6ren und pflichtgem\u00e4\u00df den\nClanschwestern die Gastfreundschaft ihrer Familie anzubieten. &#8222;Wenn\nihr wollt, k\u00f6nnt ihr bei uns \u00fcbernachten&#8220;, sagte sie und\ndeutete hinter sich in die Richtung des Hauses ihrer Familie. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Reiterrinnen stiegen ab und folgten ihr \u00fcber die Wiese zu dem gro\u00dfen Haus. Auf dem Platz vor der Eingangst\u00fcr standen drei M\u00e4nner, zwei Vettern von Nia und ihr Bruder Denem, die den Ankommenden neugierig entgegensahen, als sie n\u00e4her kamen aber doch sicherheitshalber in dem gro\u00dfen Haus verschwanden, aus dem wenig sp\u00e4ter Nias Tante trat um die Fremden zu begr\u00fc\u00dfen. Die Frauen stellten sich als Sila und Kinara vor, und erz\u00e4hlten, sie seien auf dem Weg in die Steppe in der sie als Amazonen lebten.  Tilea, Nias Tante, befahl einem Jungen, der in der N\u00e4he stand, etwas zu Essen f\u00fcr die fremden Frauen heran zu schaffen. Dann bat sie die G\u00e4ste in die gro\u00dfe Halle, in der das Leben der Familie stattfand.  <\/p>\n\n\n\n<p>Es\nwar eine typische Halle, wie sie \u00fcberall im Land zu finden waren.\nSie bestand aus einem gro\u00dfen Raum, mit Sitzb\u00e4nken an den W\u00e4nden\nund einer Feuerstelle in der Mitte, \u00fcber die eine metallene Platte\ngelegt war. U-f\u00f6rmig um die Kochstelle herum standen Tische aus\nHolz, auf denen Schalen mit Brot und Kr\u00fcge mit Wasser verteilt\nwaren. Zwischen den Sitzb\u00e4nken, an den W\u00e4nden, waren zwei gro\u00dfe,\nmit hellen Decken bedeckte, Truhen aufgebaut. Neben jeder der vier\nT\u00fcren, die in die Halle f\u00fchrten, stand ein Wasserbecken, mit einer\nKelle, zu Ehren der G\u00f6ttin des Wassers, Naja. Im Augenblick war die\nHalle mit den Familienmitgliedern gef\u00fcllt, die an dem Tisch sa\u00dfen\nund Brot a\u00dfen, w\u00e4hrend sie sich unterhielten. Ein paar M\u00e4nner\nliefen zwischen den Frauen herum und bedienten sie. Der elegante\nGang, und die sanfte Art der M\u00e4nner war etwas, was Nia jedes Mal\nerfreute, wenn sie mit ihnen zu tun hatte. Sogar ihr ungehorsamer\nBruder konnte sein Geschlecht nicht leugnen. Wenn er sprach oder sich\nbewegte hatte es etwas von einem Quokka, der zwar eigensinnig, aber\ndoch sch\u00f6n und geschmeidig war. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nun\nkam er mit einem Korb in die Halle. Vor der Feuerstelle hielt er\ninne, stellte den Korb ab, griff  hinein und legte zwei Streifen\nFleisch auf die Platte. Ein dicker Mann stellte sich neben ihn und\nbegann Gem\u00fcse in einen Topf zu f\u00fcllen, den er ebenfalls auf die\nHerdplatte stellte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndem Tisch wurden Schalen aufgef\u00fcllt um den G\u00e4sten auch die Gaben\nalle acht G\u00f6ttinnen zu reichen. Silaras Fleisch und Hereses Wurzeln\nfehlten noch, aber Najas Wasser war im \u00dcberfluss auf dem Tisch\nverteilt, und auch Rahenes goldbraune Br\u00f6tchen stapelten sich auf\neiner Metallplatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nbeiden Fremden setzten sich indes an den Tisch und lie\u00dfen sich von\nzwei M\u00e4nnern Wasser reichen. Nia setzte sich zu ihnen. Nicht, dass\nsie Lust hatte sich mit ihnen zu unterhalten, aber sie wollte die\nFrau im Auge behalten, die ihren kleinen Bruder so auff\u00e4llig\nmusterte. Dieser stellte nach kurzer Zeit zwei Teller mit gebratenem\nFleisch und dampfendem Gem\u00fcse vor die beiden Frauen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du\nhast einen gut aussehenden Bruder&#8220;, wiederholte die kleinere der\nFrauen, die Kinara hie\u00df ihr Kompliment, und Nia wusste, dass sie\nsich eigentlich geschmeichelt f\u00fchlen sollte, dass ihr Bruder die\nAufmerksamkeit einer Fremden hatte. Noch mehr sollte es sie erfreuen,\nwenn die Fremde ihn zum Sex aufforderte. Es bedeutete eine Ehre f\u00fcr\neinen Mann und ebenso f\u00fcr seine Schwestern und Mutter, aber sie\nf\u00fchlte sich nicht geschmeichelt, nur misstrauisch. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja,\ner ist ganz h\u00fcbsch&#8220;, erwiderte sie m\u00f6glichst freundlich. &#8222;Habt\nihr eure Familien besucht?&#8220; Versuchte Nia die Aufmerksamkeit der\nanderen von ihrem Bruder abzulenken.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Auch&#8220;,\nwar die Antwort, &#8222;aber einen Gro\u00dfteil der Zeit, die wir mal\nwieder im Stammland verbringen, sind wir herum geritten.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Dann\nseit ihr weit herum gekommen?&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja,\nbis ans S\u00fcdmeer.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nwar weit und gef\u00e4hrlich. Die westliche H\u00e4lfte der S\u00fcdk\u00fcste war\ndicht bewaldet, und die Bewohnerinnen dieses Waldes waren\nunberechenbare Wilde, die kaum Ber\u00fchrung mit der Zivilisation\nhatten. Im Osten sah es nicht besser aus. Das S\u00fcdreich im S\u00fcdosten\nwar das Reich Namu, einer blutd\u00fcrstigen Meeresg\u00f6ttin, von der Nia\nnicht viel mehr wusste, als dass sie als Menschenopfer, unber\u00fchrte\nJungen, verlangte. Eine barbarische Sitte, wenn man Nia fragte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wart\nihr im S\u00fcdreich?&#8220; Fragte sie, jetzt wirklich interessiert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre\nGespr\u00e4chspartnerin nickte, w\u00e4hrend sie sich ein St\u00fcck Fleisch in\nden Mund schob. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und,\nwie ist es dort?&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nandere lachte, &#8222;Nicht viel anders als hier, nur das sie keine\nClane haben, daf\u00fcr sind sie aber sehr gastfreundlich und gro\u00dfz\u00fcgig.&#8220;\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Keine\nClane, aber wie sind sie dann organisiert? Ich meine, wie tauschen\nsie ihre Waren aus?&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAmazone hob die Schutern. &#8222;Sie verstehen sich als ein Clan. Ich\ndenke, sie werden es \u00e4hnlich machen wie wir.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nia\nsah, dass ihr Bruder in der N\u00e4he das Gespr\u00e4ch interessiert\nverfolgte, w\u00e4hrend er eher mechanisch N\u00fcsse in eine Schale f\u00fcllte.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAmazone folgte ihrem Blick und forderte den Jungen auf, sich zu ihnen\nzu setzen, &#8222;Mit einem so reizenden Zuh\u00f6rer erz\u00e4hlt es sich\ndoch gleich viel besser&#8220;, sagte sie, als er sich err\u00f6tend neben\nsie setzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nGeschichten, die sie erz\u00e4hlte, hatten wenig mit den\nSchauergeschichten zu tun, die Nia sonst geh\u00f6rt hatte. Sila\nberichtete von netten, fr\u00f6hlichen Menschen, die sie\nselbstverst\u00e4ndlich in ihrer Mitte aufnahmen, sie beherbergten und\nbewirteten. Von liebensw\u00fcrdigen M\u00e4nnern, sanft, freundlich und gut\naussehend, die in m\u00e4rchenhaften M\u00e4nnerh\u00e4usern lebten, von denen es\nin einem Dorf nur eins oder zwei g\u00e4be. Daf\u00fcr waren diese aber um so\npr\u00e4chtiger. Sie erz\u00e4hlte von weichen Kissen, kostbaren Vorh\u00e4ngen\nund leiser Musik. Jeder Mann im S\u00fcdreich werde darin unterrichtet\nein Instrument zu spielen. Aber das Beeindruckenste sei der Tempel\nder G\u00f6ttin Namu. Ein riesiger siebeneckiger Bau, jede der sieben\nSeiten gut 150 Schritte lang, mit einem pr\u00e4chtigen Innenhof. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du\nvergisst die Menschenopfer, jedes Jahr t\u00f6ten sie sieben Jungen.&#8220;\nunterbrach Nia sie, \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja,\naber es sind freiwillige Opfer, die Jungen freuen sich darauf.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nungl\u00e4ubiges Schnauben.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich\nhabe selbst mit einem Geweihten gesprochen. Sie glauben, nur so der\nG\u00f6ttin nah sein zu k\u00f6nnen.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das\nsie vorher belogen werden, macht die Sache nicht besser&#8220;,\nantwortete Nia, und setzte ein ver\u00e4chtliches &#8222;G\u00f6ttin&#8220;\nhinzu. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sila\nlachte und Nia konnte sehen, dass die andere Frau schmunzelte. &#8222;Woher\nwei\u00dft du so genau, dass sie belogen werden?&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf\nzu antworten hielt Nia einfach f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig, also sah sie ihr\nGegen\u00fcber nur mit einem eindeutigen Gesichtsausdruck an. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es\nist eine beeindruckende Zeremonie&#8220;, fuhr dieses unbeeindruckt\nfort, &#8222;die Geweihten sind geschm\u00fcckt und mit duftenden \u00d6len\neingerieben. Das ganze Volk ist vor dem Tempel versammelt, alle\nstaunen und bewundern die sieben Jungen, die der Mittelpunkt von\nallem sind. Sie tragen seltene, sch\u00f6ne Blumen im Haar, die extra f\u00fcr\ndiesen Tag gez\u00fcchtet wurden. Ihre K\u00f6rper sind mit seidenen T\u00fcchern\numh\u00fcllt. So treten sie noch einmal aus dem Tempel um von allen\nbestaunt zu werden. Ihr habt die Zufriedenheit auf ihren Gesichtern\nnicht gesehen. Die Hohepriesterinnen selbst f\u00fchren sie in den\nTempel.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wo\nsie umgebracht werden.&#8220; Unterbrach Nia den Redestrom der\nanderen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So\nkann man es auch nennen.&#8220; Erwiderte diese. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Denem\nhatte nur still daneben gesessen und ihrer Unterhaltung gelauscht.\nNia konnte an seinem Gesicht nicht erkennen, was er dachte. Fast\nschien es, als gefalle ihm was er h\u00f6rte. Nia \u00fcberlegte, ihn weg\nzuschicken, aber das w\u00e4re unh\u00f6flich ihrem Gast gegen\u00fcber gewesen.\nDie andere hatte ausdr\u00fccklich seine Anwesenheit gew\u00fcnscht, und\nsolange es nicht wenigstens den Anschein machte als erschreckten die\nGeschichten ihn, konnte sie als \u00e4ltere Schwester schwerlich\neingreifen. Auch als die Frau weiter sprach, die meiste Zeit mit Nia,\nnur hin und wieder wendete sie sich an den Jungen, h\u00f6rte Denem ihnen\nmit ernstem, und ruhigem Gesicht, das weder Furcht, noch besondere\nBegeisterung verriet, zu. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann\nhatten die Amazonen ihre Mahlzeit beendet und Nia bot ihnen ein\nwarmes Bad und die Ruhe im Baderaum an, teils aus H\u00f6flichkeit, teils\num sie von ihrem Bruder weg zu bringen, der sich, wie sie hoffte, in\ndas M\u00e4nnerhaus zur\u00fcckziehen w\u00fcrde, wenn die Amazonen ein Bad\nnahmen. Doch sie hatte sich geirrt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ein\nBad ist eine wundervolle Idee. Ein Bad und eine Massage, was Sila?&#8220;\nEntspannt lehnte sich Kinara zur\u00fcck. Dann beugte sie sich vor und\nnahm Denems Hand, was dieser ruhig und ohne jeden Widerwillen, den er\nsonst so oft zeigte, geschehen lies. &#8222;Du hast sehr weiche\nH\u00e4nde&#8220;, stellte sie fest, &#8222;ich bin schon lange nicht mehr\nvon M\u00e4nnerh\u00e4nden massiert worden.&#8220; Dann erhob sie sich und sah\nNia fragend an. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nblieb nichts anderes \u00fcbrig, als den Frauen voran zu der T\u00fcr zu\ngehen, die seitlich in die gro\u00dfe Halle f\u00fchrte, w\u00e4hrend sie zwei\nJungen, beides Vettern, befahl frisches Wasser zu holen. Der Gang,\nder die Halle vom Baderaum trennte, war nur kurz und nach wenigen\nSchritten schob Nia einen Vorhang beiseite, um den verschwenderisch\nausgestatteten Bade- und Ruheraum zu betreten, der vom Reichtum ihrer\nFamilie zeugte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nrunde Wasserbecken, das in der Mitte des Raumes in den Boden\neingelassen war, wurde gerade von zwei M\u00e4nnern mit frischem Wasser\naufgef\u00fcllt. Eine Sitzbank aus glattpoliertem Holz bildete einen\nHalbkreis um das Becken. Eine weitere, diesmal gerade und mit Kissen\nbelegte, Bank bildete mit einem dreieckigen Tisch, auf dem ein Krug\nund ein paar Gl\u00e4ser standen, eine der Ecken der Raumes. Eine weitere\nEcke war mit den Massageb\u00e4nken besetzt. Glatte Holztische, die mit\nweichem Leder bespannt waren, daneben kleinere Tischchen, auf denen\nTongef\u00e4\u00dfe, mit duftenden \u00d6len und Cremes gef\u00fcllt, verteilt waren.\nEine \u00d6ffnung in der hinteren Wand war mit Glas versehen, das sie\nteuer aus Tamanien gekauft hatten. Vor der \u00d6ffnung lagen bequeme\nSitzkissen, von denen aus man einen guten Blick auf die hinter dem\nHaus liegende Gr\u00fcnfl\u00e4che und das kunstvoll gebaute M\u00e4nnerhaus\nhatte. Die W\u00e4nde waren so dicht mit Lehm und heller Farbe\nbestrichen, dass sie richtig wei\u00df waren und nirgends das Holz, das\ndie W\u00e4nde trug, durchschimmerte. An der L\u00e4ngsseite des Zimmers\nzeigte die Wand das Bild zweier Koalab\u00e4ren, die sich unter einem\nbl\u00fchenden Baum beschn\u00fcffelten, w\u00e4hrend ein rot-gr\u00fcner Papagei\nihnen neugierig zusah. Zwei Leitern f\u00fchrten zum Dachboden, der mit\nKissen und Decken ausgestattet und in kleine Nischen eingeteilt war.\nDie beiden Frauen durchquerten den Raum um zu dem Wasserbecken zu\ngelangen, neben dem die zwei Jungen knieten. Eine Amazone setzte sich\nneben dem Becken auf den Boden, zog ihre Stiefel aus und steckte ihre\nF\u00fc\u00dfe ins Wasser, &#8222;Ahh, es ist wundervoll&#8220;. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndem Moment erschien Denem an der T\u00fcr\u00f6ffnung. Kurz blieb er stehen,\nden Vorhang angehoben haltend und sch\u00fcchtern zu der Frau sehend, die\nihre F\u00fc\u00dfe ins Wasser hielt, dann lie\u00df er den Vorhang hinter sich\nzufallen und schritt in die Mitte des Raumes, wo Kinara ihn\nerwartete. \u00c4rgerlich stand Nia auf, was sollte sie noch tun?\nGemeinsam mit den zwei M\u00e4nnern verlie\u00df sie den Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nNacht verbrachte sie unruhig auf ihrer Matte am anderen Ende des\nHauses. Sie wusste nicht warum, aber sie sorgte sich um ihren Bruder,\nder so willig zu dieser fremden Frau gegangen war, der sie\nmisstraute. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nMorgen war sie unausgeschlafen und schlecht gelaunt. M\u00fcrrisch a\u00df\nsie von Silaras Eierspeise, die ihr einer ihrer \u00e4lteren Neffen\nvorsetzte und sah sich nach den beiden Amazonen um. &#8222;Wo sind\neigentlich Kinara und Sila?&#8220; Fragte sie schlie\u00dflich die Frau,\ndie neben ihr sa\u00df und noch an Tesewas Fr\u00fcchten kaute. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die\nsind bei Morgengrauen los.&#8220; War die uninteressierte Antwort. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und\nDenem?&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Andere hob die Schultern. &#8222;Schl\u00e4ft noch?&#8220;  <\/p>\n\n\n\n<p>Sofort\nstand Nia auf und lief  in den Baderaum, um die Schlafnischen zu\ndurchsuchen, in denen Denem mit Sicherheit die Nacht verbracht hatte.\nDie Nischen und auch der unter ihnen gelegene Raum waren leer. Nach\nihrem letzten Strohhalm greifend suchte sie das M\u00e4nnerhaus auf,\nvielleicht war er ja dort. Zwei verschlafene M\u00e4nner, ihr Cousin\nMahonit und ihr Onkel Samin sahen auf, als sie atemlos in den\nGemeinschaftsraum der M\u00e4nner stolperte. In weite T\u00fccher geh\u00fcllt\nsa\u00dfen sie auf der Bank, die einmal die W\u00e4nde des Raums entlang\nf\u00fchrte, offensichtlich mit ihrer Morgentoilette besch\u00e4ftigt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ist\nDenem hier?&#8220; wollte sie atemlos wissen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Beide\nsch\u00fcttelten den Kopf, &#8222;Er ist letzte Nacht nicht her\u00fcber\ngekommen. Er wird wohl noch im Haupthaus sein.&#8220; Antwortete der\n\u00e4ltere der beiden, ehe er sich wieder seinem Neffen zuwendete, ihn\nin die Kunst des Schm\u00fcckens einzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nStall standen zwei Pferde, es waren drahtige, kleine Pferde, z\u00e4h und\ngen\u00fcgsam. Nia sattelte das Braune und f\u00fchrte es aus dem Stall\nheraus auf die Rasenfl\u00e4che, die sich um das Haus herum erstreckte.\nWo waren sie lang geritten? Sie hatten Steppe gesagt, also nach\nOsten. Nia kniete nieder und versuchte die Spuren der beiden Pferde\nzu erkennen, auf denen die beiden Amazonen geritten waren, der Boden\nwar von vielen Pferdehufen und menschlichen Spuren zertreten. Es\nhatte keinen Sinn. Also auf gut Gl\u00fcck Richtung Osten. Sie schwang\nsich aufs Pferd und ritt los. Als sie den H\u00fcgel erreicht hatte, der\nein paar hundert Meter hinter dem Haus lag, und so einen guten\n\u00dcberblick \u00fcber das Land bekam, versuchte Nia die Amazonen am\nHorizont zu erkennen. Sie sah nur den Morgennebel, der sich langsam\nauf das Land senkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Also\nwendete sie ihr Pferd und ritt zur\u00fcck zum Haus. Es hatte keinen\nSinn, sich un\u00fcberlegt und v\u00f6llig ohne Vorbereitung, in die\nVerfolgung zu st\u00fcrzen. Im Haus ging sie als erstes zu ihrer\nGro\u00dfmutter, die in der Halle beim Fr\u00fchst\u00fcck sa\u00df. &#8222;Denem ist\nverschwunden. Ich nehme an die Amazonen haben ihn mitgenommen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nalte Frau sah vom Essen hoch. &#8222;Bist du sicher?&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nia\nnickte, &#8222;Ich werde ihnen folgen und ihn zur\u00fcck bringen. Ich\nbrauche nur noch Proviant und ein paar Sachen, dann reite ich. Ich\ndenke, dass ihr die Ernte auch ohne mich einbringen k\u00f6nnt.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nGro\u00dfmutter wiegte den Kopf. &#8222;Willst du alleine reiten?&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich\nhabs eilig, Murigan.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Na\ndann reite.&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sofort\nwendete sich Nia an den Jungen, der in einiger Entfernung auf der\nBank hockte. &#8222;Jeon, besorg mir was zu Essen, f\u00fcr etwa eine\nWoche Proviant. Beeil dich bitte.&#8220; Dann lief sie zu ihrer\nSchlafnische, wo ihr pers\u00f6nlicher Besitz lag, und packte ein, was\nsie brauchen konnte. Wenige Minuten sp\u00e4ter stand sie wieder drau\u00dfen\nund verteilte die Dinge, die sie mitnehmen wollte, in die\nSatteltaschen ihres Pferdes. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Jeon brauchte etwas Zeit, ehe er mit dem Proviant ankam.  Ungeduldig nahm sie ihm den Lederbeutel aus der Hand und verpackte ihn ebenfalls.  Mittlerweile war ihre Mutter aus dem Haus getreten. &#8222;Nia, sei vorsichtig.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Nia stieg auf ihr Pferd und streckte ihr Hand nach ihrer Mutter aus.  Diese ergriff die Hand.  &#8222;Ich bringe ihn zur\u00fcck.&#8220; Verspach Nia, dann wendete sie ihr Pferd und ritt gen Osten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Die Amazonen Nia sa\u00df mit gekreuzten Beinen auf einem Baumstamm und bearbeitete ein schmales St\u00fcck Holz mit dem Messer. Noch wusste sie nicht so recht, was bei ihrer Schnitzarbeit herauskommen sollte, hatte nur ein vage Vorstellung von einem Tier, vielleicht einem Vogel. Hinter ihr sendete eine r\u00f6tliche Sonne ihre letzten Strahlen auf die rote &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/?p=349\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDenems Weg\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-349","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=349"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/349\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":350,"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/349\/revisions\/350"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/fantastisch-bloggen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}